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Stefan Motschenbacher, Mitglied in 9 Ortsvereinen

Als Vorstand der „Förderung“ möchte ich Ihnen und Euch einen Blick auf Schwürbitz, quasi aus meiner Seele, bieten:

Schwürbitz – Main – Lieblingsplatz

Die Serie „Mein Lieblingsplatz“ im Obermain Tagblatt richtete sich in der Anfangszeit an bekannte Persönlichkeiten wie Bürgermeister und Pfarrer. Eine Reportage des Obermain-Tagblatts war gefragt von jemandem: „Einem, der sonst hinter der Kamera steht, der seine Ortschaft präsent macht“, so die OT-Redaktion. Das ich ernsthaft gefragt war und fast eine Seite in der Tagespresse erhielt. war hoffentlich nicht nur der Pandemie geschuldet. Ich war froh und ein bisschen stolz und…

…. Und in diesem Moment beginnen bei mir „Rädchen zu rattern“, wo ist eigentlich mein Lieblingsplatz? Normalerweise denkt man ja so nicht, man ist einfach da, wo es einem gefällt. Und genau hier kommt mir der Gedanke, mein Schwürbitzer Lieblingsbuch aufzuschlagen. „A Sträußla Veichela“ mit unterhaltsamen und nachdenklichen Gedichten und Geschichten, geschrieben von einer Freundin, Gabriele Freitag, verlegt von „meiner“ Theatergruppe. Ich schlage auf und gleich hinter dem Register Heimat auf Seite 11 steht schon das, was ich suchte. Ein Gedicht auf meinen Lieblingsplatz. Da heißt es:

„Mei Schwörbetz, mei Döfla, ich muß amoll souch,

wie gähn ich dich hou und wie seh ich dich mouch.

Du bist Vodde und Mudde, du bist mei Daham,

dou bin ich gebohn, mir zwaa mir ghöhn zamm.

Wä amoll in ahne Vollmondnocht auf die Maabrückn steht und mei Schwörbetz betrocht,

sieht im Mondschein die Wiesn, weit wie die Prärie und vegißt dänn Anblick a Läimlang nie.

Dort druom auf dä Görtzn, die Schützn ihr Eckla,

es gibt auf dä Welt ka schöneres Fleckla.

Oh dir gfällt me halt alles, du bist überoll schö,

ob druntn om Maa, oue droum auf dä Höh.

Bin ich draun in dä Welt, denk ich öft oh dahamm

und hou Sehnsucht im Herzn bis me wiede beisamm.

Ruft mich einst unne Herrgott und mei Seel sie steigt nauf,

nimmt mich Schwörbetz, dei Erdn, zur letztn Ruh auf.“

Es ist ein Gedicht, bei dem ich regelmäßig feuchte Augen bekomme, denn treffender könnte man meinen Lieblingsplatz nicht beschreiben. Und tatsächlich, die Mainbrücke übt eine besondere Anziehungskraft aus, der Main, egal von welcher Uferseite her, ein Traum! Die Göritze, die Schützen ihr Eckla, ebenfalls ein Ort an dem ich seit ich ein kleines Kind war, immer wieder gerne hin gehe und nunmehr seit fast 40 Jahren im Schützenverein Mitglied sein darf. Und dann schweifen meine Gedanken weiter, ist mein absoluter Lieblingsort etwa die Theaterbühne, die seit dem letzten Jahr im Schützensaal aufgebaut wird und auf der ich über 25 Jahre in vielen Rollen wirken durfte? Oder ist der Dorfbrunnenplatz, die „gute Stube“ meines Heimatortes mit seinem historischen Dorfbrunnen der Superplatz auf dem wir schon große und kleine Festla gefeiert haben?

Es gibt aber auch Geheimtipps, wo man nicht mehr so oft weilt, sich aber gerne an Kindheitserlebnisse erinnert. So ist der Hühnerberg, genau da, wo früher der dorfeigene Müllplatz den Abenteuerspielplatz ersetzte, heutzutage ein idyllischer Platz bei dem man das Dorf zwischen den beiden Gotteshäusern „hingestreut“ fotografieren kann. Einige Meter weiter ist die „Steinerne Bank Nord“ zu finden und wie könnte es anders sein, steht hier die vom Landkreis gestiftete Liegebank für die Gemeinde Michelau mit einem herrlichen Ausblick nach Lichtenfels und Schloss Banz. Daneben, die eigentliche steinerne Bank mit einem Tisch, wo sich herrlich genießen und fachsimpeln lässt. Erst vor kurzem hielten wir hier eine Sitzung des Kulturvereins, bei dem ich ebenfalls schon lange mitwirke. Genau hier verabrede ich mich mit Gabi Freitag und bespreche mit ihr bei einem Gläschen Sekt die Verwendung ihres Gedichtes für diesen Report. Ich habe noch einige Andenken an unsere gemeinsame Theaterzeit dabei und auch ein Bild, welches ich vor Jahren während eines langen Krankenhausaufenthaltes gemalt habe. Natürlich ist mein Lieblingsplatz darauf abgebildet. Schwürbitz! Gabi freut sich über diesen Termin und wir beide lesen in ihrem Büchlein. Wir bekommen beide ein Gedicht auf den Hühnerberg vor Rührung nicht zu Ende.

Das Bild, welches ich 2017 zeichnete, zeigt neben den beiden Gotteshäusern auch das Pfarrzentrum. Wie oft studierten wir hier Theaterstücke und saßen zusammen auf dem herrlichen Vorplatz wo auch immer die Fronleichnamsprozession und der Flurumgang mit einem Frühschoppenkonzert unserer Blaskapelle endet. Bei der Blaskapelle engagiere ich mich seit Jahrzehnten als „Pressemann“ und so komme ich auf einen weiteren Platz, auf dem ich nun fast 30 Jahre gerne sitze. Auf Höhe des Bürgermeisters, des Landrates oder der Geistlichkeit, in Reihe 1 beim alljährlichen Osterkonzert in der Konzert- nein Turnhalle von Schwürbitz. Wie viel Zeit habe ich in dieser Halle schon verbracht? Egal, immer wieder schön! Dann geht mein geistiger Rundgang weiter, vom Pfarrzentrum, an dem im Sommer der Radfahrerverein Schwürbitz Station macht, wenn Wanderfahrt ist und auch hier sitz´ ich mitten drin. Es geht geographisch abwärts zum ehemaligen Kirchweihplatz, dem „Weiher“. Hier wo momentan ein großer Kran aufgebaut ist und schwere Maschinen den neuen Hochwasserschutz erstellen, habe ich besondere Erinnerung an die Kirchweih meiner Kindheit. Der Fuhrpark, die Geschäfte, die Geschichten drum herum, herrlich.

Seit 15 Jahren darf ich mitwirken bei der „neuen Kerwa“, die wir auf der Rathausstraße organisieren. Auch dieser Platz, die Achse zwischen Marktzeuln und Neuensee, mitten in Schwürbitz, birgt besondere Erinnerungen. Das Turnerhaus um die Ecke, wo ich, als es noch ging, Tischtennis spielte und nur einen Steinwurf entfernt von der Kirchstraße 5, wo ich aufgewachsen bin.Da, in direkter Reichweite, war die Schmiede vom „Heiner“. Da konnte man Nägel noch einzeln kaufen oder die Saaßn (Sense) zum ausbessern her bringen. Die „Schmiddn“ gibt’s nicht mehr. Gerne erinnere ich mich aber an die einzige richtig verregnete Kerwa auf dem neuen Kichweihplatz, bei der wir in der „alten Schmiede“ beim Heinz, dem Sohn vom Heinrich Mahr, Unterschlupf fanden und „Ersatzkerwa“ feierten. Ein traumhafter Ort, aber halt nicht öffentlich.

Gegenüber, das Kleidergeschäft, ein Ort an dem man sich nur selten aufhielt, wenn aber, dann mit einem gewissen Ehrgefühl, ging es doch in dem Geschäft immer um einen besonderen Anlass, einen schicken Anzug oder das Kleid der Braut, welches man vor der Hochzeit aber auf keinen Fall sehen durfte. Dieses Geschäft gibt es noch, unter neuer Leitung und in jedem Fall ein herausragender, sehenswerter Platz. Auch visavis, der ehemalige, evangelische Schulhof. Noch ein Ort mit Geschichte und Geschichten, die einem einfallen, wenn man vorbei kommt. Meine große Tochter Lisa war hier im letzten Jahr Grundschule hin gegangen und ich habe den letzten Schultag, nicht nur der Tochter, sondern der ganzen Schule fotografiert. Sogar beim Bushäuschen, auch wieder schräg gegenüber, unterhalb der Kastanie, die wir als Kinder mit Stöcken bewarfen um an die Früchte zu kommen, denkt man an manche „Schote“. Die Kastanie wurde 2019 von der Gemeinde ersetzt, da sie altersschwach war. Und bevor man mich für einen totalen Provinzling hält, muss ich Bezug auf das eingangs zitierte Gedicht nehmen. „Bin ich draun in der Welt denk ich öft o deham“. Meine Lebensreise führte mich nach China, Taiwan, Indien, Amerika, Kanada und vielen weiteren europäischen Orten und nie habe ich meine Heimat, mein Schwürbitz vergessen und freue mich, dass ich und meine Familie hier glücklich sein darf.

Es wären noch einige Schwürbitzer Orte aufzuzählen, wie „es Löhla“ oder den Fischersgarten, des Teufelswäichla, die Reutn, die Göritzn, wo wir als Kinder Lager gebaut hatten oder als heranwachsende Jugendliche Birken geklaut haben, damit wir unserer Angebeteten eine „Maia“ stecken konnten. Doch ich sollte ja kein Tagebuch vorbringen.

In dem Moment, wo ich diese Zeilen schreibe, sitze ich unter meinem „Heiligtum“. Ein Kirschbaum, der nach aller Recherche ziemlich genau Jahrgang 1967 sein dürfte und dieser schattige Platz, auf dem wir schon so viele Feiern im Familien- oder Freundeskreis abhielten, ist mein persönlicher, privater Lieblingsplatz! So, und nun begebe ich mich auf die grüne Bank. Die grüne Bank steht beim „Stern“, dem Biergarten eines langjährigen Freundes und wenn ich so nachdenke, ist das vielleicht mein allerliebster Platz. Mit lieben Menschen, einer guten Unterhaltung, manch derben Witz und in jedem Fall mit einem kühlen Bier im Stammkrug. Ich danke der Redaktion vom Obermain Tagblatt, dass ich Gelegenheit hatte, über meinen Lieblingsplatz in dieser Detailliertheit einmal nachdenken zu dürfen und freue mich über jede wohlwollende Meinung zu meinem Lieblingsplatz. Übrigens habe ich auf dem Deckel meines Stammkrugs beim Stern S.A.M. eingravieren lassen. So wie auch den ersten Tag der Öffnung des Biergartens beim Freund Rainer Wich im „Stern“. Erst beim Betrachten dieses Zinndeckels fiel mir erstmals auf, das meine Initialen, welche für Stefan Anton Motschenbacher stehen, zufällig identisch sind mit meinem Lieblingsort Schwürbitz am Main. sam

Stefan Motschenbacher, Jahrgang 1967, hat Schwürbitz als Lieblingsplatz, hier auf der „grünen Bank, beim „Stern“. Mittlerweile gibt es die grüne Bank nicht mehr und man muss schon bald kommen um sitzen zu dürfen 😉

Die Bank auf dem Hühnerberg, der Göritze gegenüber, zieht viele Besucher an. Hier Stefan beim Treffen mit Heimatdichterin Gabi.

Am Ofen im Stern fand ich im Fasching als Korbmacher „meinen“ Platz. Tatsächlich waren meine Vorfahren Korbmacher und ich habe in der Werkstatt meiner Ome „Lised“, eigentlich Elise, von klein auf mitgeholfen.

Ich würde mich freuen, wenn recht viele Einheimische und Auswärtige unsere neue Homepage mögen. Ich habe viele Stunden investiert und freue mich auf das Wachsen und Gedeihen. Hoffentlich erreichen wir auch viele junge Einwohner, die eine Idee bekommen, was eine Ortschaft, was Schwürbitz am Main ausmacht. Herzlichst

Stefan Anton Motschenbacher S.A.M. sam