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Kilian Schauer * … + 1613

„Barmhertzigkeit über die Maß

an armen Leuthen übt,

Dergleich nit balt gehöret waß.

Kein Menschen er betrübt

Noch zwang zu frembter Lehr,

Ließ jedem sein Gewissen

Im Glauben unzerrissen,

Der gottseelige Herr.“

von Kilian Schauer

Notar Kilian Schauer, der als überzeugter Anhänger der neuen Lehre zu Beginn des 17. Jahrhunderts den Widerstand gegen die landesherrliche Religionspolitik organisierte. Er war Motor dieses Widerstands, ein Schwürbitzer: Kilian Schauer. Als Sohn des evangelischen Pfarrers von Niederfüllbach geboren, war er durch die zweite Ehe seiner Mutter als Kind nach Schwürbitz gekommen; sein Stiefvater Paul Edlinger, ein betuchter Mann, stammte wohl ebenso wie sein Vater aus Österreich. Schauer besuchte die Universitäten Leipzig, Jena und Königsberg, wobei er sich nach dem philosophischen Grundstudium der Rechtswissenschaft zuwandte.
Als Jurist wußte er, was gegen die Vertreibung der evangelischen Pfarrer helfen konnte: eine Klage vor dem Reichskammergericht in Speyer. Dorthin reiste er im Oktober 1609, um einen Anwalt zu dingen, der namens beider Pfarrgemeinden Klage gegen den Würzburger und den Bamberger Bischof erhob. Zweieinhalb Monate blieb Schauer in Speyer, um den Anwalt zu unterstützen, und pflegte dabei stets Briefkontakt in die Heimat, hielt die Leute auf dem
Laufenden, ermutigte sie, gab ihnen Verhaltensmaßregeln: daß sie bei den benachbarten Fürstenhöfen und Adelssitzen vorsprechen sollten, damit die mächtigen Glaubensgenossen sich für sie verwandten, daß sie eine Urkunde, die der Gegenseite hätte nutzen können, beiseite schaffen sollten. Und immer wieder beschwor er die Untertanen, sich nicht
einschüchtern zu lassen: „Verharret nur mit unerschrockhenem Hertzen unnd standhafften Gemüethern, es donner, plitz unnd hagel der Teufel, wie er wolle. Wann er gleich tausent, ja 10000 eisserne Schlegel und Hellenparten mit unnderwurfe, sollen doch dieselben denen, die Gott lieben unnd vertrauen, keinen Schaden zufuegen, sondern müssen hinder unnd vor unns
niderfallen, zerschmultzen und zu wasser werden unnd versinckhen in das Erd-Reich hinein“. Zwar schuf der Bamberger Bischof im November 1609 vollendete Tatsachen, indem er die evangelischen Pfarrer vertrieb und katholische einsetzte; etliche Marktzeulner und Marktgraitzer wurden katholisch und noch mehr sagten die Annahme des katholischen
Glaubens zu, um nicht fortziehen zu müssen. Doch Erfolge konnten auch die Gemeinden verzeichnen. Aufgrund ihrer Klage wurden im Dezember 1609 die Bischöfe vor das Reichskammergericht geladen. Obendrein erließ das Gericht ein Mandat an den Bamberger Bischof, er solle die Kläger – die Einwohner der beiden Pfarrsprengel – bis zu einer Entscheidung über die anstehende Klage in ihren Häusern unbehelligt wohnen zu lassen. Nichtsdestoweniger verfolgte der Bischof weiterhin die Untertanen, die sich im Widerstand gegen seine Maßnahmen hervortaten. Doch die günstigen Ergebnisse, die Schauer und die Anwälte am Reichskammergericht erzielten, stärkten die Siegessicherheit der Gemeinden: Wenn das Gericht ihre Klage annahm und dem Bischof verbot, gegen sie vorzugehen, dann mußte ihre Sache doch gerecht sein. Daß der Widerstand gegen die Gegenreformation in der Pfarrei Marktgraitz und Marktzeuln lange anhielt, in Marktzeuln gar bis 1624, war gewiß
solchen Anfangserfolgen zu verdanken.
Man wußte in Bamberg sehr wohl, wer für die Querschüsse aus Speyer verantwortlich war, und so versuchte die fürstbischöfliche Regierung, Schauers habhaft zu werden. Am 5. März 1610 fielen bei Nacht 400 bewaffnete Männer aus Stadt und Amt Lichtenfels, angeführt vom Kastner und dem Stadtvogt, in Paul Edlingers Wohnhaus ein, obgleich den adligen
Lehensherren die niedere Gerichtsbarkeit darüber zustand. Türen und Fenster wurden kurzerhand eingeschlagen, Edlinger mit einem Gewehr bedroht, doch Schauer war gewarnt worden und hatte das Haus rechtzeitig verlassen. Auch ein zweiter, ähnlich angelegter Versuch, ihn zu fassen, am 8. November 1611 scheiterte.
Mehrmals reiste Schauer nach Speyer, versuchte, den Prozeß in Gang zu halten, den die bischöflichen Vertreter mit verfahrensrechtlichen Fußangeln blockierten, besuchte den kurpfälzischen Hof zu Heidelberg, um den Kurfürsten und die Union, das Bündnis der evangelischen Fürsten im Reich, zum Einschreiten gegen Bamberg zu bewegen. Schauer
wurde zum Staatsfeind im Hochstift. Da erschien Schwürbitz als Wohnort zu unsicher, so daß er 1613 nach Weidhausen zog, wo der Herzog von Sachsen-Coburg als Landesherr einen bambergischen Zugriff hätte verhindern können. Schauer starb um die Jahreswende 1613/14.
Schauer und alle anderen, die Widerstand gegen die Gegenreformation leisteten, konnten den Gang der Dinge nur bremsen, nicht verhindern.