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Ernst Engelhardt – Poster´s Ernst * 09.06.1928 + 28.06.2021 – der lächelnde Postillon!

Ernst Engelhardt wurde am 09.06.1928 als viertes Kind von Johann, damals Schneidermeister, und Berta Engelhardt in Schwürbitz geboren, wuchs hier auf und ging zur Schule. Der Poster´s Ernst war in seinem Heimatort beliebt und bekannt. D e r Briefträger, wie man sich ihn vorstellt. Zu Fuß unterwegs und meist schon vom weitem erkennbar. Immer ein Lächeln auf den Lippen und mit allem vertraut, was den Absender oder Empfänger des Briefes anbelangt. Er wohnte in der Michelauer Straße 16, in dem Haus, welches er umbaute, respektive aufstockte und in dessen Keller, der ebenerdig zur Straße hinaus ging, die letzte Poststation von Schwürbitz untergebracht war. Ein kleines Familienunternehmen, denn seine Gattin war die Posthalterin, er der Postbote, seine Tochter die Mitarbeitein. Wenn man diese offizielle “Stube” betrat, war man ein bisschen daheim, auch wenn die Panzerglasscheibe, die “offene” von der Postwelt trennte. Meist aber, war die Tür rechter Hand offen, wo man schnell hin und her wechseln konnte, wenn das Päckchen oder das Paket noch hinter der Scheibe lag. Briefmarken wurden durch die Durchreiche geschoben und man konnte auf dem Tischchen, welches an der Wand stand, noch die letzten Handgriffe an der “Postsache” erledigen. An der Wand hing ein Bild mit der Unterschrift: “Möge unser Herrgott unsere Poststelle noch lange erhalten.” Und genau da wirkte der Ernst mit seiner Frau und Tochter.

Er war sehr beliebt und früher hätte man gesagt: Leutselig. Heute fehlt einem das Verhältnis zu den immer wieder wechselnden “Zustellern” (schon das Wort ist seltsam) komplett und man kennt sich nicht mehr – schade. Ernst, Jahrgang 28, wurde im Frühjahr 1945 mit 16 Jahren eingezogen. Der Marsch ging Richtung Kufstein, nach kurzer Zeit wurde die Truppe aufgelöst und man schickte ihn auf den Heimweg. Dabei kam er sehr schnell in amerikanische Kriegsgefangenschaft und ins Lager Heilbronn, wo er seinen 17. Geburtstag verbrachte. Im Sommer 1945 wurde er aus der Kriegsgefangenschaft entlassen und machte sich auf den Heimweg nach Schwürbitz. So erzählte er, dass er mit dem Zug im völlig zerstörten Würzburg ankam und sich von da aus nach Schwürbitz durchschlagen musste. Er hat also schlimme Zeiten mitgemacht und war doch immer gut gelaunt. 1959 heiratete er und hatte mit seiner Frau Gabriele zusammen vier Kinder.

Gerne unterstütze er viele Vereine seiner Heimatgemeinde. In seinen Jugendjahren spielte er aktiv Fußball, auch beim Männergesangverein Cäcilia war er einige Jahre aktiver Sänger.  Er war Mitglied in der Kirchenverwaltung, sein Rat war gefragt und immer treuer Kirchgänger. Über 30 Jahre war er Kassier bei der Soldatenkameradschaft und wurde nach seinem Wirken auch zum Ehrenkassier ernannt. Irgendwie hat man ein Bild vor Augen, wenn er zusammen mit dem Fischers Ehret (genannt Lux) und anderen Kameraden auf der Stiege des Nachbaranwesens stolz in Uniform das Vereinswesen in Schwürbitz hoch hielt. Mitglied war er auch in der Blaskapelle aber das sehr bescheiden im Hintergrund. Der Samstagabend gehörte dem Stammtisch im “Dümla” oder beim “Rauch”, wo er mit seinem Nachbarn und Frisör Alfred Mayer gerne einkehrte und wie es sich gehört, einen Schafkopf klopfte. Doch immer “in Ehren” und so wie man sich einen gediegenen Herrn, immer gut gekleitet, vorstellt.

Tja, die sogenannte gute alte Zeit halt. Der Herrgott wirkte nicht, als die Poststelle, man kann sagen, die letzte Behörde von Schwürbitz, in den Weber-Laden (Heinrich Weber, der Webers Heini – Mensch, auch ein Original) umzog und mit der Schließung des Spar-Marktes dann ganz verschwand. Und der Nachbar Mayer (er gehört auch zu den “Schwörbetze Originalen”) ist auch schon lange nicht mehr da, der Frisörladen verschwunden, die Panzerscheiben in der Post im Keller raus gerissen, die Tür verschlossen. Nur der Briefkasten an der Wand des aus Sandstein erbauten Grundstock des Hauses erinnert noch an die Poststation. Es bleiben nur Erinnerungen an den Ernst, der an der 800-Jahr-Feier, hoch auf der gelben Kutsche, den hochoffiziellen Postillon verkörperte – und lächelde. sam