Erhard Vogel, * 17.12.1835 + 29.04.1923
Am 17. Dezember 1835 wurde Erhard Vogel in Schwürbitz geboren. In ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen, hat er es vom einfachen Korbmacher zum Inhaber eines Korbmaterialiengeschäftes gebracht. Im Jahre 1872 wurde er, mit 37 Jahren, zum Ersten Bürgermeister gewählt. Dieses Amt hatte er nahezu 21 Jahre inne. Was er während dieser Zeit zum Wohle der Gemeinde, namentlich im Brücken- und Straßenbau, geleistet hat, wird in Schwürbitz in dauernder Erinnerung bleiben. Sein Verdienst war es auch, dass in Schwürbitz am 24. November 1883 die katholische Gemeinde einen eigenen Friedhof erhielt. Was diese Einrichtung für Schwürbitz bedeutete, mag daraus ersehen werden, dass bis dahin alle Beerdigungen in dem 5 Km entfernten Marktgraitz stattgefunden haben. Nicht ganz zwei Jahre später wurde unter seiner Leitung am Himmelfahrtstage (14. Mai 1885) im Gemeindehaus ein Kirchenbauverein gegründet, zu dessen Zweiten Vorsitzenden Erhard Vogel gewählt wurde. Sein ganzes Streben ging dahin, der nahezu 800 Seelen zählenden katholischen Gemeinde ein eigenes Gotteshaus zu erbauen. Groß mag seine Freude gewesen sein, als am 8. Mai 1898 der erste Spatenstich ausgeführt wurde. Unzählige Gesuche und Bittschreiben sind von seiner Hand hinausgegangen, an private Bürger, Ämter und an das erzbischöfliche Ordinariat um Bewilligung einer Kollekte in den Regierungsbezirken Ober- und Niederbayern, Schwaben und Rheinpfalz. Auch nach Amerika wanderte so mancher Bittbrief. Ein Freudentag war für ihn die Grundsteinlegung am 25. Juli 1898. Wohl an die 4000 Personen, darunter neun Geistliche, nahmen an dem Feldgottesdienst teil. Nach der Nachmittagsfeier im Saal Vogel hielt Kuratus Reinlein eine Ansprache, bei der er die großen Verdienste Erhard Vogels um den Kirchenbau würdigte. Nicht weniger als 174 Tage arbeitete er ohne jegliche Entlohnung unter Einsetzung seiner ganzen Kraft am Bau der Kirche. Die vielen schriftlichen Arbeiten verrichtete er noch nebenbei. Nicht ganz eineinhalb Jahre nach dem ersten Spatensicht war das Werk vollendet. Am 2. Oktober des Jahres 1899 konnte durch Erzbischof von Schork das Gotteshaus zu Ehren des heiligen Herzens Jesu eingeweiht werden. Obwohl Erhard Vogel fast 70 Lenze zählte, schaffte er unermüdlich, bis auch die Innenausstattung vollständig fertig gestellt war. Während des Ersten Weltkrieges wurden am 22. Juni 1917 drei Kirchenglocken abgeliefert, die dann dank seiner Bemühungen bereits am 8. November 1917 wieder zurückgeholt werden durften. Im Jahre 1914 wurden die beiden Schulgebäude errichtet. Als 81-jähriger erwirkte Erhard Vogel mit anderen Bürgern bei den zuständigen amtlichen Stellen, dass in der konfessionell gemischten Gemeinde zwei einzelne Schulhäuser gebaut werden konnten, um den ernstlich bedrohten Frieden der Bürgerschaft zu wahren. 20 Jahre lang wirkte Erhard Vogel im Vorstand des Kirchenbauvereins, 20 Jahre als Kirchenstiftungs- und Friedhofsverwalter. Ferner bekleidete er das Amt eines Schöffen und Distriktrates. Am 10. Mai 1920 wurde von zwei Angehörigen des Verstorbenen in Amerika ein ansehnlicher Betrag für die Kirche gestiftet. Dadurch blieb nur eine kleine Restschuld, die am Tag darauf von einem ungenannten Wohltäter beglichen wurde. War bei seinem Amtsantritt ein ungeheurer Berg von Arbeit und Schulden vorhanden, so konnte Erhard Vogel am Schluss seiner Tätigkeit bekannt geben, dass die katholische Gemeinde ein wunderbares Gotteshaus schuldenfrei ihr Eigen nennen konnte. Erhard Vogels letzter Wunsch, dass die Gemeinde auch ein Leichenhaus erhalten soll, konnte jedoch zu seinen Lebzeiten nicht mehr in Erfüllung gehen, obwohl zu diesem Zweck schon Mittel aus Stiftungen vorhanden waren. Am Sonntag, 29. April 1923, verstarb Erhard Vogel im gesegneten Alter von fast 90 Jahren. Schwürbitz darf heute noch stolz auf diesen Mann sein, der zum Wohle der Gemeinde Großes geleistet hat. Eine nach ihm benannte Straße zeugt heute noch von der Bedeutung Vogels in der reichhaltigen Ortsgeschichte.