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Tag 19

Krippenzauber

 

Es kribbelt in den Fingerspitzen,

sehnsüchtig blick ich auf zum Schrank,

zwar ist noch etwas Zeit dazu,

doch Ungeduld macht mich schon krank!

 

Noch fest verpackt vom letzten Jahr,

verstaubt, ja fast vergessen,

hat unsere Weihnachtskrippe still –

des Jahres Tage abgesessen.

Nun sind die Bäume wieder kahl,

alles nahm seinen Lauf

und wie nach einem langen Schlaf,

wacht sie in meinem Herzen auf.

 

Auf einmal regt sich, was lange her,

Figuren fangen an zu leben,

es drängt mich wieder mehr und mehr,

dem Heiland einen Platz zu geben.

Ich hör die schon uralte Bitte der Menschen,

die um Heimat flehn,

die Suchenden, Verstoßenen,

seh ich im Geist vorüber gehn.

 

Ich trag die Last des kleinen Esels

und meine Beine werden schwer,

mich trifft des Ochsens schwerer Atem,

betret den Stall – dunkel und leer.

Ich sorg mich um die junge, schwangere Frau,

wie Josef einst ihr Mann,

nicht liebevoll das harte Stroh –

frag unaufhörlich, wann?!

 

Entzünd die schwache Stalllaterne

und wärme mir die Hände,

atme ganz tief, sag „Gott sei Dank“,

wie wenn ich selber Ruhe fände.

Spür Schmerz, die Kälte jener Nacht,

als hätt ich selbst gefroren

und freu mich übers kleine Kind,

als hätt ichs selbst geboren.

 

So wach ich auf, wie aus dem Traum,

von seinem Bilde noch beglückt,

steh wie verzaubert da im Raum –

und hab doch nur zum Schrank geblickt.

Diese Zeilen stammen von unserer Heimatdichterin Gabriele Freitag

und sind in ihrem Werk „Vergissmeinnicht“ in Zusammenarbeit mit

der Theatergruppe veröffentlicht. DANKE GABI