Der Wald und seine Tiere – interessanter Vortrag im Schützenhaus! Michael Ament und Frank Karl referierten.
Im gut gefüllten Veranstaltungskalender des Obst- und Gartenbauvereins Schwürbitz stand vor kurzem der Termin „Der Wald und seine Tiere“ an. Die Vorsitzende des Führungsgremiums des Vereins Ingeborg Pohl begrüßte die vielen Gäste, die an diesem Thema interessiert waren, im Schützenhaus Schwürbitz. Referenten des Abends waren die beiden Jagdpächter der Lettenreuther „Jagd“ Michael Ament und Frank Karl. Wie immer war für einen Imbiss gesorgt und die Schützen übernahmen den Ausschank. Die beiden Redner stellten sich zunächst vor und freuten sich über die Einladung und den guten Zuspruch. Sie zeigten die vielen Fassetten des „Jäger seins“ auf. Dabei stellte Michael Ament fest, dass sich die Landschaft, das Klima und die Menschen in den letzten Jahrzehnten sehr verändert hätten. Er habe die „Jägerei“ in Oberbayern gelernt und sei zufrieden, dass wir hier in Oberfranken noch ein abwechslungsreicheres Naturbild hätten. „Angefangen, hier bei uns in der Göritze, wo Laubwald vorherrsche, über das Fichtelgebirge, den Frankenwald bis hinüber nach Thüringen herrschen verschiedene Vegetationsbilder vor.“, so der Referent. Entsprechend abwechslungsreich sei deshalb auch die Fauna, die noch erfreulich vielfältig sei. Bei den unterschiedlichen Bewaldungsgebieten spiele auch der Grundwasserspiegel eine große Rolle. Es gäbe viele Baumarten, die mit dem Wasserspiegel und der wärmer werdenden Wetterlage Probleme hätten und immer wieder mal wechselnde Versuche, damit umzugehen. Mit dem Klima, der Flora, der Flächenversiegelung und mit intensiver Bewirtschaftung der Flur haben dann auch die Wildtiere ihre Probleme. Als erstes zeigte er auf, dass die Bestände an Wildhasen und Kaninchen extrem zurück gegangen wären. Das Rehwild als „Kulturfolger“ sehe man hingegen auch schon mal in dörflichen Gärten, wo „Leckerbissen“ abgegrast würden. „Der Rehverbiss beschäftigt uns schon sehr.“, führte der Vorsitzende des Jagdverbandes aus. Die Populationen werden mit „forstlichen Gutachten“ festgestellt. Eine genaue Zählung der Bestände wäre unmöglich. Dabei klärte er auch über Fachbegriffe aus der Jägersprache auf. Er zeigte Verständnis für die Landwirte, die viele Auflagen zu erfüllen hätten und der Tier- und Wildschutz eine zunehmende, teilweise auch teure Rolle spielen würde. Auf der anderen Seite würden aber auch die Geräte der Land- und Forstwirte immer größer und somit hätten es zum Beispiel Rehkitze zunehmend schwer, überhaupt durch zu kommen. Über Schwarzwild klärte anschließend Frank Karl auf. Hier sei es besonders wichtig, das richtige Aussortieren der Tiere vorzunehmen. Eine Rotte Wildschweine ohne Leittier verursache hohen Flurschaden und laufe unkontrolliert und unkoordiniert durch Wald, Feld und Wiesen. Das würde dann bei Landwirten Schaden verursachen und man hört ja auch immer wieder von Unfällen im Straßenverkehr mit Wildschweinen. Das dafür aber nicht nur die Tiere verantwortlich seien, liegt auf der Hand, wenn man sehe, wie weit ein Autofahrer noch fahren würde, zwischen Aufprall des Wildtiers bis zum Standpunkt des Fahrzeugs. Oft, werde man als Jäger zu solchen Unfallorten dazu geholt und höre dann „fabulöse Geschichten“. Die Population der Wildschweine im Griff zu haben, werde immer schwerer, weil „die Jagd“ dem Jagdpächter mittlerweile lange Nachteinsätze abverlange. Auch die Bürokratie und langwierige Testergebnisse von Untersuchungen nach einem Abschuß mache es den Jägern nicht gerade einfach. Hinzu kämen noch die Zerschneidung der Flur durch neue Wege und Straßen, der Umbau der Vegetation, Schädlinge in unterschiedlicher Ausprägung, daraus folgende Totalrodungen, Versiegelung durch Neubaugebiete und die intensive Landwirtschaft, wo jeder Quadratmeter genutzt werde. Letzteres sorge vor allem für immer weniger Platz für Wildtiere wie Rebhun oder Fasan. „Die Arbeit eines Jägers sei zu 95 % die Hege und Pflege sowie die Aufrechterhaltung der Lebensbedingungen des Wildes.“, so die Worte des Jägers. Nur noch ein kleiner Teil sei die klassische Jagd und man müsse sich ja auch noch um die ordnungsgemäße Verwertung des Tieres kümmern, was natürlich und selbstverständlich dazu gehöre. Zudem müsse man sich noch mit zahlreichen Wanderern, Joggern, Mountainbikern, Radlern, rücksichtslosen Mopedfahrern und verständnislosen Hundeführern auseinandersetzen. Die zahlreichen Plastiktüten in der Flur seien mittlerweile auch zum Problem geworden. Absolutes Unverständnis herrsche bei den Jägern allerdings, dass es in der heutigen Zeit immer noch Leute gäbe, die Müll aller Größenordnungen in der Flur entsorgen würden. Die beiden Jäger richteten einen Aufruf an alle Teilnehmer im Schützenhaus und an alle Einwohner, all diese Gesichtspunkte zu berücksichtigen. Schließlich wolle man ja den nachfolgenden Generationen eine intakte Umwelt übergeben. Schließlich wurde noch auf Populationen von Wildtieren, wie Dachs, Marder, Biber, Luchs und Wolf eingegangen. Wenn man höre, dass man hier in Oberfranken „Wolfserwartungsland“ wäre und all die momentanen Probleme kenne, frage man sich als Verantwortlicher natürlich: „Brauchen wir wirklich in unserer Gegend noch einen Wolf oder gar Bären?“ Auch sei der Siedlungsraum für den Menschen ausgereizt. Füchse allerdings, hätten mit der zunehmenden Flächenversiegelung und selbst in Städten keine Probleme. Diese Wildtiere würden sich hervorragend den menschengemachten Bedingungen anpassen. Ingeborg Pohl bedankte sich herzlich bei den beiden Jägern für die äußerst interessanten Einblicke und der große Applaus für die Ausführungen waren nicht der einzige Dank an diesem Abend. Die Gartenfreunde Schwürbitz laden jetzt schon zur nächsten Veranstaltung am 11. Juni ein. Dann wird man ein gemütliches Beisammensein im Biergarten „Stern“ organisieren. sam

Anhand von großen Tafeln veranschaulichten die beiden Referenten die Population der heimischen Wildtiere. Der gute Zuspruch zur Veranstaltung zeugte von regem Interesse. sam
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