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Abschiedsgedanken der Mainbrücke von Schwürbitz

Wenn mir nun nach fast 80 Jahren am Schwürbitzer Mainufer und am Fuße meiner Göritze ab Dezember 2025 die letzte Stunde schlägt, blicke ich noch einmal zurück auf die vielen überwiegend schönen Jahre, die ich am Main in Schwürbitz erleben durfte.

Bereits 1851 wurde ein erster Holzsteg, sozusagen mein Großvater, über den Main erstellt.

Das seltene Bild zeigt den ersten Steg über den Main vor 1901

1901 wurde dieser Holzsteg durch meine Vorgängerin, eine eiserne Fachwerkbrücke ersetzt, welche am 09.April 1945 sinnloserweise durch deutsche Truppen gesprengt wurde.

War meine Vorgängerin nicht eine junge Schönheit? Um sie herum herrschte Leben und Freude. Nicht wie heute Verbuschung und Wildwuchs. Bis 1945 als man meinte, die Amis würden nur über die Brücke fahren. Was für ein Wahnsinn!
Wer kennt heute noch die Oma mit ihrem Enkel? Man beachte auch den Belag meiner Vorgängerin.

1946 wurde ich dann für rund 50.000 DM erstellt. Dies entspräche heute einem Betrag von ungefähr 150.000,– Euro.

Zugegeben, ein bisschen rostig war ich schon immer. Mein graues “Gewand” verlieh mir allerdings eine “noble Blässe”! Der Holzbelag hielt Jahrzehnte und wurde sogar mal ausgetauscht.
In Sachen Absturzsicherung war meine Vorgängerin besser ausgestattet als ich. Das wurde aber in den 1980ern nachgerüstet, im wahrsten Sinne des Wortes. Übrigens bin ich nicht aus Panzerrohren gebaut, Rohre schon aber keine Panzerreste.

Gute und schlechte Zeiten habe ich zusammen mit meinen Schwürbitzern erlebt. Tausende Zweiräder, Menschenmassen, Traktoren und Autos habe ich in dieser Zeit sicher über den Main geleitet. Viele Ereignisse durfte ich erleben:

Die “Fernansage”-Pegelmessstation kam 1964 dazu und man achtete natürlich auf harmonisches “Äusseres”!

Nachkriegsjahre, wo Frauen am Main voller Verzweiflung auf ihre Männer warteten, die vielleicht aus der Kriegsgefangenschaft vom Bahnhof in Hochstadt kommen könnten.

Tränen der Eltern, weil ihr Kind im Main in meiner Nähe ertrunken war.

Das Hochwasser an Weihnachten 1967, was mich fast fortgerissen hätte.

Immer eine Hand breit Luft über dem Wasser, war das Motto, an Weihnachten 1967. Vor mir aus konnte man das Hochwasser “bestaunen”. Sogar Haustiere konnte man ausführen (Bildmitte). Alles sicher!

Viele schöne Feste der Schützen und zahlreiche Jubiläen von Vereinen begleitete ich, ein Stück unterhalb, im “Rauchsbau”, in Sichtweite von mir.

So sah das “normal” aus. Hier der obere Einstieg ins frische Mainwasser.

Spielende Kinder in meinem Schatten – und Schwimmen lernte man damals noch im Main, Jugendliche die von mir aus, auch schon mal von der höchsten Querstrebe, in den damals noch tieferen Main sprangen.

Ein schmaler aber befestigter Weg säumte den Main in Richtung Westen. Das Ufer gemäht, die Wiese ein Naturparadies. Spielende Kinder am Bootsanlegeplatz “Weiher”.

Der mehrere hundert Jahre alte Nonnenbach der kurz vor mir, ebenfalls in Sichtweite, in den Main fließt. Ein reicher Fischbestand und zahlreiche Angler, die mich zum Angeln brauchten und gerne nutzten und jetzt noch unser Quellwasser vom Dorfbrunnen, das ungenützt in den Main fließt.

Auch einige Renovierungen an mir, musste ich über mich ergehen lassen. All das habe ich mit großer Geduld ertragen.

Und nun? Zu alt, um abzudanken, fühle ich mich immer noch nicht – aber das habe leider nicht ich zu entscheiden. Ich wurde krank geredet – vielleicht bin ich es auch und merke es gar nicht? So ergeht es auch manchem Menschen.

Wird meine Autopsie/Obduktion, nachdem ich herausgerissen auf den Mainwiesen liege, manche sogenannten Experten eines Besseren belehren? Oder schaut mich keiner mehr an?

Danke meine Schwürbitzer für die vielen schönen Jahre hier am Main und viele schöne Jahre für meine Ersatzbrücke hier am nördlichsten Punkt des Mains und meinem schönen Schwürbitz, der Perle am Obermain. Text und Bilder rw / Bildtexte sam

Hier noch einige Impressionen rund um unsere Mainbrücke, die ab 08. Dezember für jeglichen Verkehr gesperrt sein wird. ADE!

Der Pegel wurde schon seit dem Bau der ersten Brücke gemessen.

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