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Exclusiv auf Schwürbitz.de ! Schule, Lehrerinnen und Schüler erlebten den letzten Schultag in Schwürbitz. 300 Jahre Schulgeschichte sind zu Ende.

Zum Ferienstart gab es in der Schwürbitzer Schule mehrere emotionale Momente. Zunächst einmal, war da der wirklich letzte Schulgottesdienst in der Herz-Jesu-Kirche gewesen, welcher am Vortag der Schulschließung stattgefunden hat. Der endgültige und emotionalste Umstand für die Anwesenden am letzten Schultag war, dass der 31. Juli 2025 wirklich der allerletzte Schultag der verbliebenen zwei Schulklassen sein soll und ist. Kein Kommentar aus der Gemeinde, kein Gruß, kein Vertreter vom „offiziellen Hause“. Die Mitglieder des Kulturvereins „Förderung Kulturgut Schwürbitz am Main“ Horst Habermann und Stefan Motschenbacher besuchten, spontan und ohne Vorankündigung, also als Überraschung gedacht, sowohl die verbliebenen Kinder, als auch die Lehrerschaft mit Gabriele Wölfel an der Spitze. Natürlich wurden Gespräche geführt und an so manches schöne Ereignis erinnert. Auch der Rundgang durch das große und gut hergerichtete Gebäude war sehr beeindruckend, überaus interessant und verwunderte zugleich. So schwelgte der Blick aus den Fenstern im ersten Stock über das helle, sonnenbeschienene Maintal. „Ein Blick, den man als Lehrkraft und als Kind genießt, wo man spürt, das ist meine Heimat“, sprudelte es aus einer Lehrerin nur so heraus. Überhaupt waren die geräumigen Schulzimmer hell und freundlich, sauber und mit bunten, einzeln verbliebenen, Bastelarbeiten herrlich geschmückt. Technisch würde der momentan in Schwürbitz einzurichtende Glasfaseranschluss der Schule helfen, auf den allerneuesten Stand zu kommen. Ansonsten ist alles vorhanden. Eine Lautsprecheranlage, die elektronische Zugangskontrolle, Beamer an den Decken, moderne Computer im Sekretariat, die digitale Zeiterfassung und der Pausengong, der Notausgang im ersten Stock und im Erdgeschoss, alles ist vorhanden. Und sogar die alten, nicht mehr zeitgemäßen Pinkelrinnen wurden durch moderne Einzelbecken aus sauberem Kunststoff ersetzt. Einige weitere Anmerkungen, wie schön es war, in Schwürbitz zu arbeiten, würden den Rahmen sprengen. Stefan Motschenbacher überreichte am Ende der letzten großen Pause, allen anwesenden Mitarbeiterinnen eine weiße Rose und ein süßes „Dankeschön“, verbunden mit einer kurzen Ansprache. Die Kinder applautierten spontan, spürten sie doch, dass hier etwas Wichtiges zu Ende geht. Auf die Frage in den Klassen, ob es den Kindern in Schwürbitz gefallen habe, jubelten die 4-Klässler lautstark, während sich die Kinder in der zweiten Klasse, reihenweise zu Wort meldeten. Allen Anwesenden war das „schwere Herz“ anzumerken und es kamen Fragen auf, wie man wohl dieses schöne Gebäude für die Öffentlichkeit oder einer etwaigen weiteren Verwendungsform, zum Beispiel als Hort, erhalten könne.

„Man dürfe allerdings nicht realitätsfremd sein, nach all den bisherigen Erfahrungen mit dem Sachaufwandsträger, der Gemeinde Michelau, die sich gerne so bezeichnet, um darauf hinzuweisen, dass sie nur das Gebäude zu verwalten und bereitzustellen hätten“, so Stefan Motschenbacher. Nach den am Gebäude und dem angrenzenden Schulhof wuchernden Distelgewächsen zu urteilen, ist die Pflege seitens der Gemeinde, zumindest im Außenbereich, bereits eingestellt worden. Bleibt zu hoffen, dass die Schule nicht kurzfristig auch den Weg der evangelischen Schule und des Rathauses gehen muss und unter Wert „verklopft“ wird. Gerade in Zeiten klammer Kassen, und wann waren diese Zeiten das zuletzt nicht, ist Kreativität und Einfallsreichtum gefragt. Zumindest in Neuensee und Lettenreuth wurde für die Öffentlichkeit und der Vereinslandschaft mit überschaubarem Aufwand etwas gestaltet.

Für die Schließung der schönen Schule, so mehrfach die Aussage der Verantwortlichen  und der Verwaltung der Gemeinde, sei nun mal das Schulamt verantwortlich. Eine Konstellation, hinter der man sich hervorragend verstecken kann. Dass sich zwei Mitarbeiterinnen mit diesem Tag in den Ruhestand begeben, müsse man ebenfalls berücksichtigen und „natürlich“ dem Umstand schulden, dass in Michelau mit einem Millionenaufwand alles bereits jetzt schon auf dem Stand sei, wie es 2026 vom Kultusministerium gefordert wird. „Knackpunkt“ scheint hier die „offene und gebundene Ganztagsschule“ in Verbindung mit einer Mittagsbetreuung zu sein. Diese OGTS und GGTS, wie sie im Fachjargon kurz genannt wird, sowie eine Mittagsbetreuung kann, so der Gesetzestext, an Grundschulen eingerichtet werden. Dabei sind einige Voraussetzungen, innerhalb der verfügbaren Haushaltmittel, zu berücksichtigen. Ein Punkt hierbei ist, dass auch berücksichtigt werden soll, dass es bei der Ganztagsschule lokale, eventuell konkurrierende Einrichtungen gibt. Das betrifft in Schwürbitz den Hort, denn hier wäre eine ganztägige Betreuung in Schwürbitz bereits gewährleistet. Am Tag der Schließung der Schule luden sich Schüler, mit den Worten ein: Kummsd mid zen Hord“. Allerdings gibt es hier auch das „Ganztagsversprechen“ der Landesregierung: „Für jeden Ganztagsplatz in Schulen, den Kommunen bis 2029 schaffen, garantiert der Freistaat finanzielle Unterstützung bei den Investitionskosten.“ Und warum soll man sich in Schwürbitz Gedanken machen, wenn in Michelau „Räume“ vorhanden sind? Da bleiben natürlich Fragen, zum Beispiel ob der Schülerbeförderung. Funktioniert diese reibungslos, sind wirklich Kapazitäten zu den richtigen Uhrzeiten vorhanden? Werden Schwürbitzer und Lettenreuther Kinder zwischen der Schule in Michelau und dem Hort in Schwürbitz hin und her gekarrt? Oder ist diese Ganztagsschulenstrategie nicht vielleicht schon ein erster Sargnagel für den Schwürbitzer Hort? Ganz zu schweigen davon, dass ein gutes Stück „Heimat“ wegfällt, wenn die Kleinsten „ihre Schule im Ort“ gar nicht mehr kennen lernen. Doch so, wie es sich zum Ende dieses Schuljahres darstellt, ist dies alles „verschüttete Milch“.

Lebensqualität, Anziehungskraft, die vielgelobte Regionalität, die Nähe zu den „Einrichtungen“ fällt in jedem Falle mit diesem Schlussstrich weg. Ähnlich wie in Lettenreuth, wo man überschnell den Kindergarten verschacherte und heute, mit neuem Baugebiet, vermutlich froh wäre, einen zu haben.

Mit dem Ende des Schulhauses in der Erhardt-Vogel-Straße endet eine dreihundertjährige Schulgeschichte einer stolzen Ortschaft. In der zweiten Schwürbitzer Dorfordnung vom 24.06.1716 war zu lesen: ” in ermelden Dorff Schwirbitz sindt seid undenklichen Jahren zweyerley Glaubensgenossen …diese sollten für ihre Kinder einen Lehrer aufstellen,der sie im Glauben, in Pietät, Christenthum, Lesen, Schreiben und Rechnen wohl informieret.”   Weil dafür die Voraussetzungen geschaffen werden sollten, wurde im Jahr 1725 ein Schulhaus errichtet, welches auch das Rathaus war. Man krönte es mit einem freundlichen Zwiebelturn, der das erste weithin sichtbare Zeichen der Ortschaft wurde. Eine Glocke wurde noch im selben Jahr installiert, eine öffentliche Uhr folge im Jahre 1726.

In einer einst so stolzen Gemeinde Schwürbitz, die vor der ungeliebten Eingemeindung, bereits mit allem ausgestattet war, was eine moderne Gemeinde ausmachte, baute man auf. Einzig die Schwürbitzer Straßen waren ein schlimmes Flickwerk, aber zahlreiche Baustellen und spärliche Neuinvestitionen in den letzten Jahrzehnten sorgen dafür, dass man sich wieder auf dieses damalige Flickwerk zu entwickelt. Man entwickelt sich also zurück? In Schwürbitz jedenfalls, ist mit einer verbliebenen Tankstelle und einer Bäckerei das unterste Level an Infrastruktur für die Bevölkerung erreicht. Neue Investitionen Fehlanzeige, wenn da nicht „aus heiterem Himmel“ ein Sushiladen fallen würde, der kurze Zeit später, Pizza anbietet. Was bleibt übrig von der Entscheidung sich Michelau in der damaligen Situation durch Eingemeindung anzuschließen? Die Schwürbitzer Bevölkerung, deren Vereine und nun auch die Schulgemeinschaft können aus der „Eingemeindung“ keinen Vorteil erkennen. Zu lang ist die Liste, der Nachteile die über Schwürbitz „gelegt“ wurden und werden. Vielleicht erklärt es den Einwohnern von Schwürbitz mal jemand, diese mindestens acht Jahre langanhaltende Hängepartie von und für und mit Schwürbitz. sam

Die Lehrerinnen und die Sekretärin bekamen vom Verein „Förderung Kulturgut Schwürbitz am Main“ eine weiße Rose sowie einen „süßen Dank“ überreicht. Die Kinder stellten sich bereitwillig zu einem gemeinsamen Erinnerungsfoto dazu. sam

Moderne Technik an der Decke, lichtdurchflutete, modern ausgestattete Klassenzimmer, allerdings schon leere Regale im Hintergrund. Ein letztes Bild für das Schwürbitzer Archiv. sam

Ein letztes Mal “strömen” die Kinder aus der Schwürbitzer Schule. Ein Anblick, bei dem man feuchte Augen bekommen könnte. sam

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