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Windhose Schwürbitz vor 50 Jahren – Verwüstungen wie nach einem Bombenangriff

Am 15. April 1975 –  13 Wohnhäuser und mehrere Scheunen beschädigt – vier Autos unter den Trümmern begraben/Viele Helfer

Erinnerungen von Anliegern aus der Michelauer Straße

Marianne und Franz-Xaver Heid sowie Horst Habermann und weitere damalige Nachbarn erinnern sich noch sehr genau daran

Schwürbitz am Main

Diese Nacht wird man an Schwürbitz nicht so schnell vergessen. Das schwere Gewitter, das am Dienstagabend mit starken Regengüssen über den Landkreis Lichtenfels niederging, war hier – wie berichtet vom Obermain-Tagblatt sowie weiteren Zeitungen (FT, NP) – mit einem gefährlichen Wirbelsturm verbunden, der innerhalb von 60 Sekunden Verwüstungen von ungeheurem Ausmaß anrichtete. Etwa 13 Häuser der Michelauer Straße wurden teilweise abgedeckt, eine massive Scheune stürzte ein, drei parkende Personenwagen (Bereich heutiges Tätowier-Studio) wurden unter der einstürzenden Mauer begraben. Entwurzelte Bäume und gesplitterte Äste lagen kreuz und quer über der Straße und versperrten die Durchfahrt (Anwohner der Michelauer Straße Franz-Xaver Heid und Horst Habermann befanden sich damals auf dem Trainingsgelände des FC Schwürbitz, wo parkende Fahrzeuge ebenso von herumfliegenden Teilen geschädigt wurden).

Bis lange nach Mitternacht dauerten die ersten Aufräumungsarbeiten, die am nächsten Tag in aller Frühe fortgesetzt wurden. Im Einsatz war vor allem das Technische Hilfswerk, unterstützt von der Polizei, der Freiwilligen Feuerwehr Schwürbitz und tatkräftigen Männern und Frauen der vom Unwetter betroffenen Ortschaft.

Es war gegen 19.30 Uhr, als Schwürbitz von dem Wirbelsturm heimgesucht wurde.

Eine Windhose, wie sie vor Jahren in der Kreisstadt riesige Schäden verursacht hat, entlud ihre zerstörerische Gewalt.

Offenbar aus Richtung Michelau kommend, bahnte sich der gefährliche Wirbelwind seinen Weg; entwurzelte gigantische Bäume, zersplitterte Äste, riss Hochspannungsleitungen herab, bevor er den Ortsrand der Nachbargemeinde erreichte.

Den ersten großen Ansatzpunkt für die Windhose bildete der Neubau des Bekleidungshauses Trinkwald. Das mit Eternitplatten gedeckte Dach wurde samt Balken und Dachrinne zur Hälfte in die Luft gehoben. Während ein Teil der Platten bis hinauf zur Göritze flog, landeten die Dachbalken etwa 50 Meter entfernt auf der Straße. Einer der Balken war als gefährliches Geschoß durch die Fensterscheibe in ein Wohnhaus gedrungen. Eine Frau, die sich mit ihrem Kind in unmittelbarer Nähe der Aufschlagstelle befand, erschrak zu Tode und ergriff schreiend die Flucht. Im Zickzackkurs bewegte sich der Wirbelsturm weiter, riss reihenweise Ziegel von den Dächern, zerstörte die Hochspannungsleitungen, entwurzelte oder knickte die stärksten Bäume.

Ein fürchterliches Krachen und einen Moment später war alles vorbei!“ Zwei weitere Unterstellgebäude der Gärtnerei wurden ein Opfer der Windhose. Eines davon schlug der Sturm kurz und klein; eine andere Scheune wurde von den Grundmauern gehoben und um 90 Grad gedreht wieder aufgesetzt. Scherben gab es bei den Gewächshäusern, unbarmherzig im Baumbestand. Der entstandene Schaden wurde auf mindestens 100.000 DM geschätzt.

Der Bereich der Michelauer Straße vom Anwesen Walter bis Pfeuffer (Vießmann) bot am Dienstagabend ein chaotisches Bild. Vordringliche Aufgaben des Technischen Hilfswerkes war es zunächst, die klaffenden Dachlücken mit Plastikplanen notdürftig zu schließen.

Währenddessen bemühten sich die Feuerwehrmänner, die von umgestürzten Bäumen blockierte Fahrbahn freizubekommen. Erschwert wurden die ersten Hilfsmaßnahmen dadurch, dass der Strom ausgefallen war. Das THW halt mit Notaggregat. Bis lange nach Mitternacht dauerte der Einsatz in dem betroffenen Gebiet. Auch Bürgermeister Karl Götz befand sich an der Unglücksstelle.

Am nächsten Tag in aller Frühe waren Handwerksleute zur Stelle, um die Dächer und die heruntergerissenen Hochspannungsleitungen zu reparieren.

Daneben hatten die Bewohner alle Hände voll zu tun, um die Spuren der Verwüstung zu entfernen.‘
Über das Ausmaß der Zerstörung informierten sich am nächsten Vormittag der Kreisbaumeister vom Landratsamt sowie Regierungsrat Richter.

Erste Erkundigungen über zu erwartende Vergütung des Schadens holte Bürgermeister Karl Götz bei der Brandversicherung in Kronach und beim Landratsamt ein.

Danach sah es schlecht für die Betroffenen aus.

Bei höherer Gewalt ist keine Entschädigung zu erwarten, es sei denn, jemand ist speziell gegen Sturmschäden versichert; im Falle Schwürbitz trifft das wohl bei keinem zu.

Am meisten in Mitleidenschaft gezogen wurde das Anwesen der Gärtnerei Rauch. Hier wurde nicht nur dass dach auf einer großen Fläche abgedeckt; die mit landwirtschaftlichen Geräten und Getreide gefüllte Scheune, ein massiver Bau, wurde völlig zerstört. Die herausgedrückte Vorderfront des Gebäudes stürzte auf drei davor parkende Personenwagen und begrub sie unter sich.

Ein weiteres Auto, das zum Zeitpunkt des Unwetters aus Michelau kommend ,das Grundstück Rauch passierte, wurde ebenfalls von Gesteinsbrocken zermalmt. Der Fahrer konnte sich zum Glück rechtzeitig in Sicherheit bringen.

„Es war wie bei einem Bombenangriff“, berichtete Gärtnereibesitzerin Hermine Rauch.

Eine Spendenaktion der Gemeinde Schwürbitz für Opfer der Unwetterkatastrophe wurde in Angriff genommen. Eine Spendenliste lag in der Gemeindekanzlei Schwürbitz auf, wie sich der damalige Verwaltungsangestellte der früheren Gemeinde Schwürbitz, Horst Habermann (sein Fahrzeug Opel Manta wurde ebenso anlässlich eines Trainingsaufenthaltes beim FC Schwürbitz von der Windhose beschädigt, erinnert sich Habermann noch sehr genau daran, nachdem Teile von der Michelauer Straße Richtung Sportgelände „flogen“) genau erinnert.

Die Gemeinde Schwürbitz bedankte sich damals bei allen Helfern und Institutionen (Freiw. Feuerwehr, Landespolizei und besonders Technisches Hilfswerk) für die schnelle und wirksame Hilfe, so Horst Habermann in seinen Erinnerungen aus der Gemeinde Schwürbitz.

Unsere Bilder, Fotos, Repros und Zeitungsausschnitte der Tageszeitungen von damals erinnern an die Windhose vor 50 Jahren.

Fotos/Repros/Unterlagen Horst Habermann (Privat-Archiv hh)

Das erste Foto von der Scheune der Gärtnerei Rauch (Heute Tatowierstudio) am 16. April 1975 schauen sich Marianne Heid (links) und Horst Habermann (rechts) an. Foto-Archiv Gde. Schwürbitz hh

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