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Im Himmel gibt´s ka Parlament – 39. Theatertage Schwürbitz

Fünf ausverkaufte Vorstellungen, bestens aufgelegte Schauspieler, ein Publikum, welches bei jeder Aufführung richtig Spaß hatte und nicht mit Applaus sparte. All das waren die 39. Schwürbitzer Theatertage auf der Bühne im schönen Schützensaal auf der Göritze. An den vergangenen beiden Wochenenden gab die Theatergruppe Schwürbitz den lustigen Dreiakter „Im Himmel gibt´s ka Parlament“ und rund um die Vorstellungen war für die Gäste in jeder Hinsicht bestens gesorgt. Nachdem sich der Vorhang hob, fand man sich in der Bauernstube der Burgstallers wieder. Da saß Ehefrau und Mutter Jutta am Frühstückstisch, ausgezeichnet gespielt von Andrea Appel. Sie schwärmte vom Vorabend, wo man sich beim „Empfang“ inmitten lauter „hoher Tiere“ befand, die ja alle so gute Umgangsformen hätten und das Buffet wäre doch so fein gewesen. Der Herr des Hauses, Hans Burgstaller, wunderbar dargestellt von Stefan Ehrsam, sah das als frisch gewählter Landtagsabgeordneter ganz anders. Er konstatierte, dass man den Anstand bei manchem nach dem „fünften Seidla Bier“ nicht mehr erkannt habe und das ihm „a Güeggela“ vom Bremser lieber gewesen wäre, als dieses Buffet. So trafen also zwei Meinungen aufeinander, aber das kannte die Tochter des Hauses Lisa, authentisch gemimt von Annika Engelmann, schon. Der Vater wollte nichts Besseres als Bürgermeister und Bauer sein, dagegen strebte seine Frau nach Einfluss, schicken Kleidern und vor allem einer Villa. Mit auf dem Hof der Burgstallers sorgte die tölpelhafte Magd Urschl für jede Menge Turbulenzen. Nathalie Tremel gilt mit dieser Rolle als Neuentdeckung des Jahres, stand die junge Frau bisher beim Kindertheater der Schwürbitzer gerne auf der Bühne. Allerdings ging sie in dieser Rolle aus sich heraus und sorgte für große Lacher und viel Vergnügen. Alle drei Damen waren im ersten Akt nicht sicher vor Alois Holzwurm. Der Sägewerksbesitzer und Junggeselle verstand es, das weibliche Geschlecht zu umgarnen, was Rüdiger Pohl in seiner Paraderolle wahrhaft nicht schwer fiel. Er flirtete mit jeder, suchte sich dann die Tochter aus und wollte sie partout heiraten. Der Hausherr hatte derweil große Probleme, sich mit dem neuen Tagesablauf anzufreunden. „Ich hou heid nuch 5 Termine und jeder is in an annern Näisd!“, stellte er fest. „No freu dich doch, überoll krichsda Essn und zu dringgn und kümmst als Landtagsabgeordneter nei die Zeidung!“, hielt seine Gattin dagegen. Und „Freund“ Alois gab ihm nach München in den Landtag auch noch Schwürbitzer Probleme mit. So solle er sich „um a neua Maabrüggn“ kümmern, weil die hießichn griengs ja suwisu niä hie!“  Diese Umstände und alle vier Zeitgenossen machten es dem Hauptdarsteller auf Erden so schwer, dass er vom Herzinfarkt dahingerafft, sich im zweiten Akt im Himmel wieder fand.

„Wo bin ich den jetzt?“ fragte er den Pförtner Petrus und Julius Fischer, der den Petrus eingängig darstellte, eröffnete ihm: „Du bis jetzt im Vorhimmel!“ Ins Paradies käme er, wenn ihm Flügel gewachsen wären. Allerdings hatte auch Petrus so seine Probleme. Erstens war der Himmel hoffnungslos überfüllt und zweitens hatte er genug von Politikern, die wegen ihres Stresses reihenweise „vom Stängla fallen“. Zwei ganz harte Fälle von ihnen, auch noch ohne Flügel, hatte er sogar in seinem Arbeitszimmer unter Aufsicht. Da war der eine, Engel Nr. 25, der zu Lebzeiten der SPD sein Schaffen gewidmet hatte, authentisch dargestellt von Julian Fleischmann. Und da saß doch tatsächlich auch als Engel Nr. 13 „Franz Josef Strauß“ auf der goldenen Bank, welcher, wie könnte es anders sein, auch im Himmel kommandieren und angeben wollte. Stefan Motschenbacher hatte mit diesem Charakter viel zu tun und das Publikum belohnte seine Bemühungen mit Lachern und Applaus. Die beiden Engel fanden es höchst ungerecht, dass sie Namen und Titel des Irdischen vergessen und sich mit einer Nummer identifizieren sollten. Dabei erinnerten sich beide dunkel daran, dass sie auf der Erde „großes geleistet“ hätten. Da nützte auch nichts, dass ihnen Petrus erklärte, dass sie nur ins Paradies kämen, wenn sie sich nicht mehr an die Zeit auf der Erde erinnern würden, dadurch ihre Flügel verdienten und damit dann ins Paradies fliegen könnten. Der „Verdruss im Himmel“ ging so weit, dass Petrus sich hinreißen ließ, einmal richtig lautstark zu fluchen und dadurch schaltete sich sogar sein „Chef“ ein. Nur durch Licht und Sound dargestellt aber mit seiner durchdringenden Stimme wunderbar rübergebracht, hatte Herbert Sünkel damit seine himmlische Wunschrolle. Die beiden aufmüpfigen Engel wurden zuerst zum Trompeten putzen „verurteilt“ und dann zum Wolken schieben geschickt, was sie zögerlich ausführten. Aufgrund des Ratschlages Gottes, sandte Petrus den gerade angekommenen Hans wieder zurück auf die Erde, wo er sein „eingebildetes, rechthaberisches, besitzgieriges und karrieresüchtiges Weib“ wieder auf den rechten Weg bringen solle. Und Ehrfurcht und Reue solle sie zeigen und beten solle sie wieder lernen. Dafür dürfe er ihr „erscheinen“ und er könne mit ihr direkt, mit anderen im Schlaf oder nur wenn es unbedingt sein müsse, reden. In jedem Fall sei er aber für alle unsichtbar, bis auf seine Frau, die sehe ihn, so die Anweisungen des Petrus. Der dritte Akt spielte also wieder in der „guten Stube“ der Burgstallers und jetzt wurde es richtig stimmungsgeladen. Die Schwester von Hans wurde durch die Magd verständigt, weil es gar so schlimm war, mit der Hausherrin, die nicht trauerde, sondern noch keifender mit den verbliebenen Mädels umging. In der Rolle der Schwägerin brillierte Christine Würstlein. Doch auch sie wurde von der Hausherrin nicht gerade willkommen geheißen. Alle bekamen die Launen der Jungwitwe zu spüren. Höchste Zeit, dass der Engel wirkte. Hans brachte, kreidebleich geschminkt und in weiß gewandet, seine Frau mit seinen Erscheinungen an den Rand ihres Verstandes. Zur Gaudi des Publikums schrie die Darstellerin auf offener Bühne herzzerreißend, als sie ihren „Verblichenen“ entdeckte und brachte sportliche Höchstleistungen bei ihren Ausreißversuchen. Sie versuchte durch die Entsendung der Magd zum Pfarrer, der kommen sollte und kräftig räuchern und Weihwasser spritzen, den Geist zu vertreiben. Zwar war der Pfarrer verhindert aber geräuchert und gespritzt wurde trotzdem stark. Auch der Weiberheld Alois bekam den Regenschirm durch „Geisterhand“ zu spüren und brach mit einem vermeintlichen Hexenschuss zusammen. Da war natürlich das jugendliche Gebaren dahin und Tochter Lisa frage zurecht: „Und su an soll ich heirät?“ Das Experiment durch die Rücksendung des Hausherrn gelang. Seine Frau versprach den Hof nicht zu verkaufen und ihn an die Tochter zu geben. Die Magd dürfe bleiben und sie würde ab sofort beten und jeden Sonntag in die Kirche gehen, versprach die „Heimgesuchte“. Da schloss sich sogar der Weiberheld Alois an, der Jutta als „Hausdame“ zu sich in die Villa holen wollte. Am Ende verdiente sich der Burgstaller Hans durch sein Wirken seine Flügel, flog von der Schwürbitzer Bühne am Vorhimmel vorbei, direkt ins Paradies.

Die Theaterfans sparten nicht mit Applaus und waren begeistert, von der diesjährigen Vorstellung der Theatergruppe Schwürbitz. Am Ende des Stückes stellte Regie Sabine Wich die Schausteller einzeln vor und das Publikum würdigte jede schauspielerische Leistung nochmals mit viel Anerkennung. Zwischendurch wurde das Wirken von Lara-Sophie Wich ganz wichtig, half sie aus dem Souffleurkasten den Schauspielern doch so manches Mal „aus der Patsche“. Eine lange Dankesliste hatte zum Schluss jeder Aufführung die Vorständin der Theatergruppe Ulla Engelmann abzuarbeiten. Ganz oben stand da die Zimmerstutzen-Schützen-Gesellschaft, ohne deren Entgegenkommen und Verständnis eine Nutzung des Schützensaals und damit das Theater nicht möglich gewesen wäre. Auch ohne Vorverkaufsstellen ginge es nicht, so galt der Dank der Tankstelle Strobler und dem Dorfladen Marktzeuln. Markus Dumproff mit seinen vielen Helfern vom Bautrupp wurde für die herausragende Kulissengestaltung gedankt. In der Maske war Andrea Fleischmann zuständig für „rosa Bäckchen“ oder „leichenblasse Geisteraufmachung“. Die Frisuren wurden gezaubert von Andreja Bolaric´. Für die Gestaltung von Plakaten, Eintrittskarten und Preislisten sorgte Lisa Petterich. Gedruckt wurden diese Werke von Coprint, Burgkunstadt. Mario Kremer sorgte für himmlische Beschallung und die Realschule Hirschaid filmte die Aufführung. Unter den Besuchern war auch der ehemalige und amtierende Bürgermeister von Michelau Fischer und Weber, denen für die Überlassung der Bühne gedankt wurde. Abschließend galt der Dank den „Bratwurstbratern“ und „Ausschenkern“, vor allem aber der Regie Sabine Wich für die vielen kleinen und großen Anstrengungen, begonnen bei der Stückauswahl, den „Kleidern“, dem Arrangement und letztlich auch noch dem Catering und der Schauspielerverpflegung. Die Theatergruppe trifft sich am 30. November im Kino von Lichtenfels, wo es das Kindertheater vom Sommer auf Leinwand geben wird. Danach wird man sich auf die bevorstehenden Neuwahlen konzentrieren und plant bereits jetzt den „Theater-Show-Fasching 2025“, welcher am 01. März ansteht. Alle Theaterfans dürfen sich auf die 40. Theatertage im nächsten Jahr freuen, wenn es in Schwürbitz wieder heißt: „Vorhang auf, in Schwörbetz wedd Dheadä gschbilld!“ sam

Jutta hat ihren verstorbenen Ehemann als Geist gesehen. Nur sie!

„Bei einem Hexenschuss muss man zurückschießen!“ Urschl, alias Nathalie Tremel, die Neuentdeckung der Saison.

Während Neuankömmling Hans von Petrus im Himmelsbuch eingeschrieben wird, möchten die beiden Politiker vom „Neuen“ natürlich wissen, wie es momentan politisch um ihre Parteien steht.

Eine riesige Gemeinschaftsleistung boten alle Mitglieder der Theatergruppe anlässlich der 39. Theatertage Schwürbitz. 1 A!

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