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Bürgerversammlung im Pfarrzentrum – heiße Themen, cooler Bürgermeister!

Ein paar mehr Einwohner hätte sie schon verdient gehabt, die Bürgerversammlung der Gemeinde Michelau im Pfarrzentrum, die am Donnerstag, 07.11. für Schwürbitz stattfand. Aufgrund der momentanen sprichwörtlichen und realen Baustellen in Schwürbitz und drum herum, waren die knapp 50 Personen, die sich eingefunden haben, zwar in der Menge spärlich, dafür aber sehr wissensdurstig.

Bürgermeister Jochen Weber begrüßte die Teilnehmer sowie die erschienenen Gemeinderäte unter dem Motto „Miteinander reden ist fast wie zaubern“ recht herzlich und kam nahtlos zur Präsentation der Zahlen und „Geschicke“ der Gemeinde im Jahresverlauf 2024. Natürlich waren die Haushaltszahlen und der Schuldenstand der Gemeinde die eingangs wichtigsten Informationen (Das OT berichtete). Den gemeindlichen Wasserrohrbruchstand musste er allerdings gegenüber der zwei Tage zuvor stattgefundenen Bürgerversammlung in Michelau um 4 Vorfälle nach oben korrigieren. Somit summieren sich diese auf 27 Rohrbrüche im laufenden Jahr. Kosten, die nicht eingeplant sind und so war der Wasserpreis innerhalb der Gemeinde das erste große Thema. Zwar sei man immer noch eine der günstigsten Wasseranbieter im Hinblick auf Frisch- und Abwasser aber am 01.01.2025 werde auch dies auf den Prüfstand gestellt. Als Höhepunkte innerhalb der Gemeinde stellte der Bürgermeister das 50-jährige Jubiläum des Hallenbads, das 90-jährige Bestehen des Korbmuseums und die 10-jährige ununterbrochene Verleihung der „blauen Flagge“ für die Wasserqualität des Rudufersees heraus. Der Bürgermeister betonte bei seinen Ausführungen, die von „der Verwaltung“ erstellte hervorragende Präsentation der Zahlen und Ereignisse. Diese ließ dem Bürgermeister aber wenig Spielraum für eigene, erlebte, gemeindliche Begebenheiten und Worte dazu. Ferner kamen die Veranstaltungen der Ortsteile unter Beteiligung von Bürgermeistern und Gemeinderat gar nicht vor. So waren die von den Bürgerversammlungen der letzten Jahre bekannten Schnappschüsse auf ein Minimum reduziert und auch noch eingebunden in Text und Statistik. Bürgermeister Weber wies in Sachen Glasfaserausbau vorsorglich darauf hin, dass die Firma „Deutsche Glasfaser“ eigenverantwortlich unterwegs sei. Sie versorge alle Ortsteile mit schneller Internetanbindung der Häuser auf eigene Initiative und Rechnung. Verkehrsrechtlich gebe es hier und da einige Abstimmungsschwierigkeiten, wenn es jedoch um private Schäden gehe, die entstünden, solle man sich nicht an die Gemeinde, sondern direkt an die Firma wenden. Dafür gebe es sogar eine Homepage mit einem „Link“ für Schadensmeldungen. Der Bürgermeister stellte heraus, dass der schöne traditionelle Faschingsumzug wieder stattfand und man auch für das nächste Jahr zum Mitmachen und Mitfeiern einlade. Auch die Kirchweih wurde mit viel Engagement der Gemeinde neu erfunden und zwischen Kirche und Rathaus sehr erfolgreich gefeiert. Die Mobilteichaufstellung wurde unter Mitwirkung sämtlicher Ortsfeuerwehren in diesem Jahr erstmals geprobt. Er dankte allen Spendern für die Unterstützung der Stiftung „Unser Michelau“ und bat darum, Hilfsbedürftige zu melden, denen man anschließend helfen könne. Der Bürgermeister erklärte auf Nachfrage den aufgezeigten Punkt Ökokonto. So könne man als Gemeinde davon profitieren, wenn Flächen aufgewertet werden. Als Beispiel nannte er einen Acker, der zu einer Streuobstwiese aufgewertet werde. Diese Aufwertung führe zu Punkten auf dem Ökokonto, was dann wiederum bei Baugebietsausweisungen helfen könne. Allerdings ist eine Umwidmung einer solchen Fläche „nach unten“ dann nicht mehr möglich.

Ohne die übliche Pause ging es dann zum Bereich Fragen und Anregungen über. Reinhold Bauer gab zu bedenken, dass sich im katholischen Friedhof Linden befänden, die einer Überprüfung durch Fachleute bedürfen. „Die Linden müssen saniert werden, aber fachmännisch“, so sein Wunsch. Danach kam Wilfried Geiger auf einen Punkt, den der Bürgermeister, nach eigener Aussage, selbstverständlich schon erwartet hatte. Wilfried Geiger fragte nach der Dauer der Planung der Mainbrücke, die laut der Präsentation bereits 100.000,– Euro verschlungen habe. Ihm wurde geantwortet, dass die Planung abgeschlossen sei und die aktuell geforderte „Auflastung“ auf 60 Tonnen zu lösen sei. Trotzdem ging es Wilfried Geiger und weiteren Anwesenden um die Zeitspanne, die die dargelegten bürokratischen Hürden verlängern würden. Geiger zeigte auf, dass jenseits des Mains jederzeit ein Unfall oder ein gesundheitliches Problem bei Radfahrern, Fußgängern und Grundstücksbesitzern auftreten könnte und schon aufgetreten ist. Rettungsdienste fänden keinen direkten Weg zu Verletzen oder Sterbenden. In seinen Ausführungen versicherte der Bürgermeister, zuletzt am 17.10. diesen Jahres bei einem Termin bei der oberfränkischen Regierung in Bayreuth, alles getan zu haben, um das Verfahren zu beschleunigen. „Schließlich sei in 2024 schon die dritte Kerwa abgehalten worden, an der man den Main nicht queren konnte“ und das tut allen weh, so der Gemeindechef. 

So viele Umstände verzögern das Projekt, was mit dem landschaftspflegerischen Begleitplan beginne,  den Ingenieurbüros, die man „angefragt“ habe und den fehlenden Ausgleichsflächen weiter ginge. Der defizitäre Haushalt und die sinkende Gewerbesteuer helfe da sogar noch, damit wenigstens ein Zuschuss im Bereich des Möglichen erscheint, jedoch nur zu den Bedingungen der zuständigen Behörden. Umweltschutzbestimmungen und Flächenmanagement machen die Problematik „Mainbrücke“ ebenfalls nicht leichter. Jedenfalls würde sich nun ein Ingenieurbüro – sieben hatte man angeschrieben – darum kümmern, dass die Auflagen und Anforderungen erfüllt werden können. Der sehr engagierte Fußballer und bis vor kurzem amtierende Vorsitzende des FC Schwürbitz Christoph Kolb hatte die Information, dass es im Frühjahr 2025 mit dem Bau der Brücke los gehen sollte. „Ist diese Information unter den Umständen noch haltbar?“, wollte er wissen. Mit dem nochmaligen Hinweis, dass die Gemeinde in Sachen Ersatzbrücke und Baufortschritt wirklich alles getan habe, hielt der Bürgermeister aktuell einen Baubeginn im Sommer 2025 für möglich, was Christoph Kolb verständlicherweise zu dem Hinweis nötigte, dass der Fußballclub endlich wieder einmal zu einer normalen Jahresplanung zurückkehren müsse. Wilfried Geiger wollte wissen, ob es durch die vorgeschriebene Auflastung der Brücke bei der bisher geplanten Dimension der Brücke bliebe. Dies bejahte der Bürgermeister und erklärte, dass die vorgesehene Bogenbrücke in Metallausführung die Auflastung durch die Materialstärke, die nach Außen hin nicht auffalle, bewältigt werden könne. Die natürliche Engstelle an der Gastwirtschaft Stern helfe auch mit, dass sich nicht riesige Fahrzeuge der Brücke nähern, allerdings möchte man die Zuschüsse in jedem Fall mitnehmen, da der Haushalt einen Neubau aus eigener Kraft nicht möglich mache. Thomas Engelmann fragte nach dem Zeitplan für den Ersatzneubau. Der Bürgermeister führte aus: Wenn im Sommer 2025 begonnen werden könne, dann natürlich mit dem Abriss der alten Brücke. Weber erklärte, wie die neue Brücke erstellt wird und anschließend über den Main geschoben werde, was dann ein bis eineinhalb Jahre Zeit nimmt. Daraufhin fragte Engelmann nach: „Ist das Euer Ernst, der FC soll dann tatsächlich über ein Jahr vollkommen abgeschnitten sein?“ Er führte aus, dass der Fußballclub über 100 Kinder betreut, das sei wichtig für den Bestand des Vereins. Ohne eine Anbindung, wäre man handlungsunfähig. Das Michelau während der Baumaßnahme der neuen Autobahn von der 173 über ein halbes Jahr nicht angefahren werden könne, ließ Engelmann als „Entschuldigung“ nicht gelten. Rudolf Gebhardt sprang seinen FC-Freunden bei. „Könnte man nicht eine Zufahrt über Hochstadt erlauben?“, so seine Frage. Eine Zufahrt zum FC-Gelände werde es weiterhin nur für 10 berechtigte Fahrzeuge geben. „Mehr ist da mit Hochstadt nicht verhandelbar“, so Bürgermeister Weber. Vielleicht könne man Kinder und Gäste mit einem Shuttle-Bus über Hochstadt anfahren, ergänzte Weber. Eine Ersatzbrücke ist vollkommen ausgeschlossen. Das waren die nicht zufriedenstellenden Auskünfte des Bürgermeisters, der nochmals versicherte, wirklich alles getan zu haben, um die Situation nicht noch zu verschlimmern. Man kam überein, wenigstens die „spielfreie“ Winterzeit in das „Zeitmanagement“ mit aufzunehmen.

Wilfried Geiger bedachte noch, dass ja durch die fehlende Mainbrücke auch der Obermaintal-Radrundweg unterbrochen werde und hatte noch eine Bitte. Man solle doch seitens der Gemeinde Druck aufbauen, damit die Glasfaseranschlüsse endlich weiter voranschreiten oder sogar einmal abgeschlossen werden. Auch Patrik Lindner und Wilfried Krauß kritisierten die Baumaßnahmen, welche scheinbar fachlich nicht korrekt durchgeführt werden würden. Hier verwies der Bürgermeister darauf, Schäden zu protokollieren und sich an die Firma direkt zu wenden. Es werde am Ende der Baumaßnahme eine „Abnahme“ geben, wobei Mängel aufgezeigt werden und von der Firma behoben werden müssen. Carlo Scheidt bemängelte die schlechte Informationspolitik, die heuer im Sommer dazu geführt habe, dass nicht alle Einwohner darüber informiert waren, dass das Wasser im Gemeindegebiet abgekocht werden sollte. Die Antwort von Bürgermeister und Kämmerer kam prompt, indem die Bürger selbst auch eine gewisse „Holschuld“ hätten, wenn innerhalb der Gemeinde etwas passiert sei. Gemeinderat Matthias Hofmann drängte darauf, sagen zu dürfen, dass wenn sich Einwohner durch kein Medium angesprochen fühlten, auch keine zwangsweise Information möglich sei. Man war beim Thema Wasserqualität angekommen. Hier entstand eine rege Diskussion über das „Michelauer Wasser“ und ob denn nun dieses Wasser aus Tief- oder Flachbrunnen geholt werde. Warum wird das Wasser dauerhaft gechlort? Wie schlecht ist das immer teuer werdende „eigene“ Wasser wirklich? Auch die Forderung zur Rückkehr zum Wasser der FWO wurde in dieser Diskussion aufgeworfen. Kämmerer Gerd Bergmann sprach von „flachen Tiefbrunnen“, was einigermaßen Heiterkeit auslöste. Die Chlorung sei noch notwendig. Bei diesem Thema zeigte es sich mehr als glücklich, dass der Bürgermeister seinen neuen Mitarbeiter im Wasserwerk, Herrn Lars Konradi, dabei hatte. Dieser versuchte sein Fachwissen, den wissbegierigen Besuchern so einfach wie nur möglich mitzuteilen. Zunächst einmal sei das Wasser der Fernwasserversorgung „empfindliches“ Oberflächenwasser, welches aufwendig gereinigt und „bearbeitet“ werden müsse. Aus den Wasserhähnen käme dann zwar ein „weiches“ Wasser, nach der Eingruppierung „dH“, was deutsche Härte bedeute, welches aber auch frei von jeglichen Mineralien und Spurenelementen wäre. Der menschliche Körper brauche aber Inhaltsstoffe des Wassers und im Michelauer Wasser wären nun einmal Kalzium, Magnesium und weitere wichtige Stoffe enthalten. „Mineralwasserfirmen würden sich die Finger nach dieser Qualität lecken“. Was die Bürger jedoch abschrecke und worum es in erster Linie geht, ist der sichtbare Belag, umgangssprachlich als „Kalk“ bekannt, der übrig bleibe, wenn das Wasser erhitzt werden würde, so der durchaus kompetente Vortrag des neuen Mitarbeiters. Er führte weiter aus, dass die Installation einer neuen UV-Anlage im Wasserwerk dafür sorge, dass die dauerhafte Chlorung weg fiele. Einer Rückkehr zum „Ködeltalwasser“ erteilte der Bürgermeister eine klare Absage. Das Wasser von Michelau wurde 2008 flächendeckend eingeführt (bis auf Schwürbitz Hochzone) und man könne nicht auf Wunsch hin und her wechseln. Außerdem ist man in Michelau einer der günstigsten Wasseranbieter, weil man unabhängig von „den Großen“ sei, so Weber. Reinhard Zimmermann bedauerte, dass der Wasserpreis ständig steige und dass man heute noch nicht sagen könne, was im neuen Jahr wieder auf die Einwohner zukomme. Der Bürgermeister verwies auf eine künftige Sitzung und die Wasserrohrbrüche sowie die Investitionen, was natürlich dazu führt, dass der Wasserpreis „um ein paar Cent“ steige. Allerdings sei die Wasserversorgung „kostenneutral“. Auf die Frage von Zimmermann, warum man in Michelau nicht neue Geldquellen erschließe, antwortete Kämmerer Bergmann. „Also mit der Wasserversorgung darf kein Geld verdient werden. Auch drauflegen dürfen wir hier nicht“. Bei der Haushaltslage sei es nun geboten, auf „freiwillige Leistungen“ zu verzichten. Es gäbe eben nur zwei Alternativen. Die eine wären Steuererhöhungen, die andere Sparmaßnahmen und begonnen habe man nun, bei Leistungen für Bürger und Vereinen zu sparen.

Dies veranlasste Thomas Fischer nochmal nach den Kosten für die Mainbrücke zu fragen. Der Rathauschef antwortete, dass mit Kosten von 3,5 Millionen Euro gerechnet werde und man unbedingt die maximale Förderung von 90 % erhalten möchte.

Nun war das Thema Schule und Schulturnhalle auf dem Tablett. Der Bürgermeister betonte, dass die Gemeinde die Schule nicht geschlossen habe. Das Schulamt habe aus den sinkenden Schülerzahlen und der Lehrerversetzung, bzw. Kündigung sowie aus organisatorischen Gründen, Konsequenzen gezogen. Weitere Informationen könnten über die Rektorin Zauritz eingeholt werden. Was aus den Gebäuden nach der Komplettschließung der Schule wird, könne man noch nicht sagen. Die Turnhalle zumindest werde von Hort und Vereinen, allen voran dem Turnverein, gebraucht. Ob Platzbedarf von Kindergarten/Hort oder Vereinen in der Schule angemeldet werden wird, weiß man heute noch nicht. Sebastian Kautz bedauerte, dass mit dieser Teilschließung auch das Engagement der Schule und des Elternbeirats am Schwürbitzer Weihnachtsmarkt weg falle. Auch die Schülerbeförderung durch den ÖPNV funktioniert nicht reibungslos. Die Verkehrsbetriebe würden auf Nachfrage, die Schuld auf die Gemeinde schieben, die sich allerdings nicht zuständig zeigte. Die Schülerbeförderung wird ausschließlich vom ÖPNV organisiert, wurde dem Elternbeiratsmitglied Kautz erklärt. Er wollte noch geklärt wissen, ob denn wenigstens mit einer Bushaltestelle den Kindern im unteren Dorf geholfen werden könne, wenn die Haltestelle an der Schule nicht mehr angefahren werde. Ansonsten müssten diese Kinder morgens durch ganz Schwürbitz zur Bushaltestelle in der Coburger Straße „wandern“. Punkte, die der Bürgermeister notieren ließ. Wilfried Krauß kam noch einmal auf die mangelhafte Arbeitsweise der Glasfaserfirma zu sprechen, was dem Aufmerksamkeitsgrad der Anwesenden nicht dienlich war. Diesen Moment nutzte der Bürgermeister geschickt, um die Versammlung trotz weiterer Wortmeldungen zu schließen. Das anfängliche Motto war dabei schon in den Hintergrund gerückt. Er dankte seinen Mitarbeitern für das „Aushalten“, denn so der Bürgermeister wörtlich „In Schwürbitz ist es immer ein bisschen anders.“ sam

Ein Bild aus der Gemeinderatssitzung von 2020, wo Bürgermeister Rosenbauer in der Schwürbitzer Turnhalle den Gemeinderäten und der interessierten Öffentlichkeit eine Wirtschaftlichkeitsuntersuchung und Neubauvarianten der Schwürbitzer Mainbrücke vorstellte. sam

Heftig kritisiert wurden die Bauarbeiten der „Deutschen Glasfaser“. Nicht nur der Fortschritt bei den Anschlüssen steht auf „rot“. Die Arbeiten werden offenbar nicht korrekt und mehrfach vorgenommen, so der Eindruck von Sitzungsteilnehmern. Bald ist nun wieder die Winterpause bis in den Mai angesagt. sam 

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