Glocken Geschichte Herz-Jesu Kirche Schwürbitz, Rückblick im Jubiläumsjahr „125 Jahre Herz-Jesu Kirche Schwürbitz“ – Story hh
Auszug aus der Chronik (Pfarrarchiv Herz-Jesu Schwürbitz, Gemeindearchiv Michelau/Schwürbitz, „Neues Volksblatt Lichtenfels“, Archivsammlung Horst Habermann) von Horst Habermann (hh) vom 13.08.2024

Nachdem im Jahre 1899 der Bau der Herz-Jesu Kirche vollendet war, wurde am 28.08.desselben Jahres der Glockenstuhl durch die Firma Porzelt, Zimmereigeschäft Kronach fertiggestellt. Am 6. September wurden dann die ersten vier Glocken, die aus der Glockengießerei Lotter in bamberg hervorgegangen waren, durch Erzbischof Dr. Josef von Schork im Dom zu Bamberg geweiht. Nachdem diese dann am 20. September durch die beiden Fuhrwerksbesitzer Konrad Höring und Konrad Fischer am Bahnhof in Hochstadt abgeholt waren, wurden sie in den drei folgenden Tagen durch die Herstellerfirma auf den Turm gebracht und montiert. Am 23. September des Jahres 1899, also genau vor 50 Jahren (so damals in der Tageszeitung Neues Volksblatt), nachmittags 3 Uhr (15 Uhr) erklang ihr harmonisches Geläute, das allgemein gelobt und bewundert wurde, zum ersten Mal hinaus ins Maintal.
Die vier Glocken hatten ein Gesamtgewicht von 1875 kg. Der Herstellungspreis belief sich zur damaligen Zeit auf 3.375 Mark. Der weitaus größte Teil der Anschaffungskosten wurde von Andreas Klemenz, der mit seiner Familie in Amerika lebte, gestiftet. Fast 18 Jahre lang sangen die Glocken ihr ehernes Lied zu Freud und Leid, bis die drei großen Glocken im 1. Weltkrieg abgenommen und am 22. Juni 1917 nach Lichtenfels abgeliefert werden mussten. Den unzähligen Bittgesuchen und persönlichen Vorstellungen gelang es, dass dieselben vor der Zerstörung bewahrt blieben und der Pfarrgemeinde zurückgegeben wurden. Unter dem Jubel der Bevölkerung wurden diese am 8. November 1917 wieder zur Kirche geleitet.
Nicht lange währte die Freude, denn schon am 27. September 1918 mussten wiederum zwei davon, und zwar die größte sowie die dritte abgeliefert werden. Ein gütiges Geschick wollte es, dass diese dann durch das unvorhergesehene Kriegsende im November 1918 noch unversehrt in Lichtenfels standen, so dass sie am 17. Dezember wieder abgeholt und ihre beiden Schwestern wieder beigestellt werden konnten. Während fast alle Kirchen der gesamten Umgebung Glocken einbüßten, blieb der hiesigen Pfarrgemeinde ihr volles Geläute erhalten und fast 24 Jahre lang sangen und klangen sie noch zur Ehre Gottes über die heimatlichen Gefilde.
Der 2. Weltkrieg nun wurde auch ihnen zum Verhängnis. Am 1. März des Jahres 1942 nachmittags um 2.30 Uhr grüßten sie mit einem Abschiedslied zum letzten Mal die Heimat. Der inzwischen verstorbene damalige Pfarrer Zeltinger ließ dieses letzte Geläut auf Schallplatte aufnehmen, dann wurden wiederum die drei größten abgenommen und nach Lichtenfels gebracht. Sie sollten nie wieder kommen, so damals Pfarrer Pankraz Bäuerlein in Aufzeichnungen der Tageszeitung „Neues Volksblatt“.
Neue Glocken nach dem 2. Weltkrieg
Auf einer Arbeiterversammlung im Dezember 1948 wurde die Anregung gegeben, neue Glocken zu beschaffen. Es ist das unbestrittene Verdienst des kath. Arbeitervereins, dass Schwürbitz wieder neue Glocken hat.
Ermutigt durch die Anregung des Arbeitervereins wurde von Pfarrer Pankraz Bäuerlein bald eine Werbepredigt für die Glocken gehalten.
10 Männer erklärten sich bereit, Sammlungen im Dorfe durchzuführen. Eine Theaterspielgruppe unter Führung von Fräulein Maria Sünkel hat durch wiederholtes, selbstloses, aufopferndes Spielen mehrere Tausend DM für die Glocken gesammelt. Niemand der es machen konnte, hat sich ausgeschlossen, sein Scherflein beizutragen, auch nicht von den Flüchtlingen. Die Sache war allmählich soweit gediehen, dass die Glocken am 7. Februar 1949 bei der Firma Lotter bestellt werden konnten. Am 1. Oktober 1949 holte H. Paul Söllner mit festlich geschmücktem Fahrzeug (Traktor mit Hänger) die Glocken von Bamberg. Er tat es um Gottes Lohn. Über Einholung und Weihe siehe nebenstehender Ausschnitt aus dem „ Neuen Volksblatt“.
In der Woche vom 3. bis 9. Oktober 1949 wurden die Glocken auf den Turm gebracht. Zwei Monteure der Firma Lotter führten mit Hilfskräften von Schwürbitz, die sich sehr gerne umsonst zur Verfügung stellten, die schwierige und gefährliche Arbeit durch. Es ging alles reibungslos. Am Freitag, 7. Oktober 1949, 11.30 Uhr war zum ersten Mal Probeläuten. Schwürbitz und Umgebung lauschten ergriffen den festlichen Klängen. Aus so manchem Auge stahlen sich Tränen der Freude und Ergriffenheit, so Pfarrer Pankraz Bäuerlein in seinen Aufzeichnungen.
Die Glocken kosteten mit Montage und allem was drum und dran hängt 14.631,25 DM. Als die Glocken erstmals läuteten, waren sie bezahlt bis auf 2.000 DM. Das macht den Schwürbitzern so schnell niemand nach. Am 16. August 1950 hat Pfarrer Bäuerlein die letzten 300 DM der Firma Lotter bringen können.100 DM stiftete dann eine Amerikanerin. Deo gratias! Gez. Pfarrer Pankraz Bäuerlein.
Gleichzeitig mit den Schwürbitzer Glocken wurden auch die Glocken Neuensee bei der Firma Lotter, Bamberg bestellt. 4 Wochen später als die Schwürbitzer Glocken wurden sie fertig (Preis der Neuenseer Glocken 1647 DM, so Pfarrer Bäuerlein in seinen weiteren Aufzeichnungen.
Inschriften der Schwürbitzer Glocken:
- Herz Jesu: Heiligstes Herz-Jesu sei meine Rettung
- Mutter Gottes: Maria, Königin des Friedens bitte für uns
- Hl. Josef: Sankt Josef, Patron der christlichen Arbeit, segne unser Mühen
- Hl. Andreas: die Seelen der Abgestorbenen ruhen im Frieden. Amen. Gestiftet von Karl Andreas Klemenz, geboren in Schwürbitz.n
Bericht von der damaligen Tageszeitung „Neues Volksblatt Lichtenfels“:
Hehre Festtage in Schwürbitz
Feierliche Einholung und Weihe der neuen Glocken
Jung und alt war auf den Beinen, als am vergangenen Samstag die drei neuen, von der Firma Lotter in Bamberg hergestellten Glocken mit dem Fahrzeug von Paul Söllner in Schwürbitz eintrafen. Abends um 6 Uhr wurden diese dann in feierlicher Prozession am Ortseingang Neuenseer Straße, abgeholt und unter Gebet und Gesang zur Kirche geleitet. Die Glocken selbst und das Fahrzeug waren von kunstsinnigen Händen mit Tannengrün sowie Fähnchen in den Kirchenfarben und Blumen prächtig geschmückt. Die Fahnen der kath. Vereine wurden in feierlichem Zuge mitgeführt, während weißgekleidete Mädchen, Fähnchen tragend, vor dem Wagen schritten.
Am Kirchplatz angelangt, richtete Pfarrer Bäuerlein treffliche Worte an die versammelten Gläubigen. Er erinnerte an jene Märztage des Jahres 1942, wo die kath. Pfarrei ihres alten Geläutes beraubt wurde und betonte, dass geweihte Glocken nicht an die Front, sondern auf den Turm ihrer Heimatkirche gehören und nicht zum Morden, sondern dem Frieden zu dienen bestimmt sind. Der Pfarrherr dankte allen, die, ganz gleich auf welche Art und Weise, dazu beigetragen haben, dass Schwürbitz wieder in den Besitz neuer Glocken gelangte, und gab dem Wunsche Ausdruck, dass nun ihr friedliches Lied durchs ganze Leben, das in einer ewigen Glückseligkeit enden möge, geleite. Nach einem sinnigen Gedicht, das von Frl. Maria Sünkel gutvorgetragen wurde, fand in der Kirche eine kurze Segensandacht statt. Die Feier der Glockenweihe am Sonntag wurde durch den kath. Kirchenchor mit dem vierstimmigen gemischten Chor „Das ist der Tage des Herrn“ von Konradin Kreutzer unter Stabführung von Hauptlehrer Wendelin Zopf eingeleitet. Anschließend führte Dekan Zaschka, Hochstadt, aus, dass die neuen Glocken läuten mögen zur Ehre Gottes, zur Wehr des Urglaubens und zur Lehre der Gläubigen. Wenn dann die neuen Glocken vom hohen Turm hinausrufen ins weite Land, dann wollen wir ihrem Rufe folgen und dem Herrgott Sonntag für Sonntag und wenn möglich auch werktags ein Stündchen opfern. Während der feierlichen Weihe der Glocken, die Dekan Zaschka, Hochstadt, unter Assistenz von Pfarrer Förtsch, Marktzeuln, und Pfarrer Grundler aus Lettenreuth, vornahm, gab Pfarrer Bäuerlein eine deutsche Übersetzung der lateinischen Gebete und Psalmen sowie eine Erklärung der sinnreichen Zeremonien. Nach einem von Frl. Frieda Thierauf vorgetragenen Gedicht dankte Pfarrer Bäuerlein dem Konsekrator sowie den beiden Assistenten für die Weihe der Glocken. Mit dem Lied „Großer Gott, wir loben Dich“ klang die hehre Feier aus.
„Informationen für die neuen Glocken“
Die größte der drei neuen Glocken wiegt 925 kg. Sie ist dem Kirchenpatron, dem hl. Herzen Jesu geweiht und auf den Ton „f“ abgestimmt. Die zweite Glocke wiegt 635 kg, ist der Mutter Gottes geweiht und auf „g“ abgestimmt, während die dritte Glocke mit 500 kg dem hl. Josef geweiht ist und den Ton „a“ hat. Die kleine, vor der Zerstörung bewahrt gebliebene Glocke mit 295 kg ist auf „b“ abgestimmt. Soweit der damalige Zeitungsbericht früheren „Neuen Volksblatt Lichtenfels“.
Text Horst Habermann
Unsere Bilder (Repros) zeigen verschiedene Fotos von der Schwürbitzer Glockenabholung und Weihe im Jahr 1949.
Fotos Horst Habermann (hh)





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