Blick in die Schwürbitzer Schulgeschichte
Ehe die Kirchen waren, waren die Schulen
(aus der Chroniksammlung/Privatarchiv von Horst Habermann)
Schwürbitzer Volksschule








Wenn in diesen Tagen der „Schulstandort Schwürbitz“ Thema im Gemeinderat Michelau i. OFr. ist, darf man auch mal einen Blick in die Schwürbitzer Schulgeschichte werfen, so der langjährige frühere Verwaltungsangestellter und Gemeindearchivar Horst Habermann (insgesamt 42 Jahre in den Gemeindeverwaltungen Schwürbitz und Michelau tätig, davon auch mit Gemeindearchivarbeiten vertraut, außerdem seit 2003 im Kulturverein „Vereinsgemeinschaft Förderung Kulturgut Schwürbitz am Main“ als Schriftführer sowie seit Anfang der 70iger Jahre Berichterstatter der heimischen Tageszeitungen.
Oftmals hat man sich die Frage gestellt, warum Schwürbitz immer zwei Schulen hatte, hatten doch andere Gemeinden im Umkreis nur eine Schule. Wenn man in der Ortsgeschichte nachblättert, waren in Schwürbitz immer zwei Konfessionen stark vertreten bzw. ins Dorfgeschehen eingebunden. Schwürbitz besaß, was in den Dörfern des Kreisgebietes nur äußerst selten anzutreffen ist, nicht nur zwei freundlich gefällige Kirchen, sondern zugleich auch zwei schöne stattliche Schulhäuser, die in „trautem Verein mit den ihnen zugehörigen Kirchen das Dorfbild entscheidend bestimmten und prägten“ (außerdem zwei Friedhöfe sowie die beiden Gesangvereine Cäcilia und Liedertafel). Denn noch vor vielen Jahren pfarrten die Katholiken von Schwürbitz nach Marktgraitz, die Evangelischen nach Michelau. Den einzigen Mittelpunkt der Ortschaft bildete bis dahin das alte, zwiebelturmgekrönte Rathaus (heutige im Privatbesitz), das zugleich Schulhaus war. Diese Tatsache darf es angebracht erscheinen lassen, einmal in aller Kürze die örtliche Entwicklung des Schulwesens aufzuzeigen. Dabei ist als erstes das Jahr 1806 zu nennen. Denn in diesem Jahr wurde das Rathaus (es wurde bereits im Jahr 1725 erbaut) zugleich als Schulhaus eingerichtet und zur Unterrichtung der katholischen und evangelischen Kinder nicht nur von Schwürbitz, sondern auch von Lettenreuth und Neuensee bestimmt (war alles schon mal in den 60iger Jahren im Schulverband „An der Göritze“ dagewesen). Seit genau 218 Jahren existiert also in Schwürbitz eine Schule. Vorher war Schulunterricht mehr oder weniger zwanglos gewesen. Zwar hatten Lehrer ihre Tätigkeit im hiesigen Ort entfaltet, aber sie erteilten nur im Winter Unterricht, während sie im Sommer einem anderen Erwerb nachgingen (heutzutage nicht mehr vorstellbar!). Zwanzig Jahre nach Gründung der Schule, nämlich 1826, wurden die „Protestanten“ auf Anordnung der Regierung nach Michelau eingeschult mit dem Bemerken: „Die Protestanten zu Schwürbitz können ihre Kinder bis zum 10. Lebensjahr weiterhin die katholische Schule zu Schwürbitz besuchen lassen, wenn sie solche nicht schon früher in die Pfarrschule zu Michelau schicken wollen“. Mit dieser Anordnung mögen zwar die damaligen „Vorschriften über Trennung der Volksschule nach Konfessionsverhältnissen“ getreulich erfüllt und gleichzeitig die misslichen Raumverhältnisse gebessert worden sein, aber es war ein weiter und beschwerlicher Weg, der da mit einem einzigen Federstrich vielen Schwürbitzer Kindern zugemutet wurde. Zweifellos war dieser königliche Erlass zugleich die Geburtsstunde des Gedankens, in Schwürbitz eine eigene protestantische Schule zu errichten. Freilich, Wunsch und Wirklichkeit lagen weit auseinander – lagen rund 30 Jahre auseinander! Im Jahre 1855 gründeten die evangelischen Bürger eine eigene Schule. Die protestantische Schulgemeinde kaufte das Haus Nr. 67 gegenüber dem Rathaus (heutiges Anwesen Schwürbitz, Rathausstraße 12), das einen geräumigen Schulsaal bot. Also, 1855 war es soweit. Der damalige Schwürbitzer Bürgermeister Andreas Gagel und der Gutsbesitzer Leonhard Fischer (heutiges Anwesen der Nachfahren bzw. Familien Kurt Fischer, Leonhardsberg 6, Schwürbitz, 96247 Michelau i. OFr.) hatten mit aller Tatkraft die nötigen Vorbereitungen getroffen. Leonhard Fischer (nach ihm ist der Leonhardsberg benannt) stellte auf 10 Jahre unentgeltlich sein Nebenhaus zur Verfügung; Ein Schulzimmer und ein Lehrerzimmer wurden darin ausgebaut und die evangelischen Gemeindeglieder verpflichteten sich, „jährlich zur Dotation des Verwesers (d.h. zum Lehrergehalt) 20 Gulden beizusteuern“. Mehrere bis dahin nach Michelau eingeschulte Ortschaften, unter ihnen sogar Neuensorg und Trieb, wurden nunmehr, „da die Schule zu Michelau ohnedem sehr angefüllt war“, in die neue evangelische Schule zu Schwürbitz überwiesen, wie aus dem Errichtungs-Rescript der kgl. Regierung von Oberfranken vom 24. Juni 1855 hervorgeht. Ein gewichtiges Datum in der Geschichte der Ortschaft, die fortan zwei Schulen ihr eigenes nannte! Indessen, Schwürbitz wuchs, die Schülerzahl nahm zu, die Schulräume wurden zu klein. Sie mussten, soweit es sich bewerkstelligen ließ, vergrößert werden. Lettenreuth war schon 1836 wieder abgetrennt worden. 1881 gründete Neuensee eine eigene Schule und brachte vorübergehende Entlastung. Schließlich planten die Schwürbitzer in Erinnerung daran, dass einst das Rathaus gemeinsame Schule war, ein für beide Konfessionen gemeinsames Schulhaus mit vier Schulsälen und drei Lehrerwohnungen zu erbauen. Am 20. September 1911, als vor 113 Jahren, beschloss die Gemeindeverwaltung Schwürbitz mit 8 gegen 1 Stimme das bereits vom Bezirksbaumeister ausgearbeitete und von der Regierung genehmigte Projekt zur Ausführung zu bringen. Die Gesamtkosten wurden auf 65.000 Goldmark veranschlagt. Der Großteil sollte durch einen in Aussicht gestellten Kreisfondszuschuss, der Rest durch ein Darlehen abgedeckt werden. Als Bauplatz war der Rebhann`sche Garten ausersehen, der Platz, auf dem später die evangelische Kirche erbaut wurde. An diesem Platz aber scheiterte das Unternehmen. Denn die Opposition, die seit langem am Werke war und sich immer ungestümer gegen die Ausführung des Projektes stemmte, wollte als Bauplatz den Rühr`schen Garten haben, jenen Platz, auf dem später die katholische Schule erstand. Ende des Jahres 1911 trat der damalige Bürgermeister Georg Schrepfer nach fast 10 jähriger Amtstätigkeit zurück. Am 1. Januar 1912 trat eine neue Gemeindeverwaltung an. Im März 1912 beschloss sie, „auf dem Rühr`schen Garten als Schulhausplatz zu bestehen“. Im April 1912 wurde mit 11 gegen 1 Stimme der Beschluss der alten Gemeindeverwaltung Schwürbitz vom 20. September 1911, die Erbauung eines gemeinsamen Schulhauses betreffend, aufgehoben und beschlossen: „In Schwürbitz soll nicht ein gemeinsames, sondern ein katholisches und ein evangelisches Schulhaus gebaut werden. Das katholische Schulhaus soll auf den Rühr`schen Bauplatz, das protestantische auf den Rebhan`schen Bauplatz kommen. Die katholische Schule soll enthalten 3 Lehrsäle und 2 Wohnungen, die protestantische 1 Lehrsaal und 1 Wohnung…“ Und also geschah es. Im Juli 1913 wurden die Bauarbeiten vergeben. Schon im September war Richtfest der zwei Schulhausneubauten. Am 30. Juni 1914 fand die Einweihung der beiden Schulhäuser statt. Dieser kurze Gang durch die frühen Jahrzehnte der Schwürbitzer Schulen zeigt mit aller Deutlichkeit, wie schon immer das Schulwesen ein großes Anliegen und Sorgenkind der Gemeindeväter war, die dann 50 Jahre später vor der schweren Aufgabe standen, erneut neuen Schulraum zu beschaffen. In den 60iger Jahren waren beide Schulgebäude zu klein. Es gab wiederum „Schulkämpfe“ im Gemeinderat und in der Bevölkerung. Einerseits plädierte man für ein gemeinsames neues Schulgebäude, andererseits standen Anbauten für beide Konfessionsschulen zur Debatte. Nun, beide Schulgebäude wurden vergrößert, um dann später doch in beiden Gebäuden zu einer gemeinsamen Schule („Schule an der Göritze“) zu werden. Vor wenigen Jahren kamen die Lettenreuther Kinder wieder in die Schwürbitzer Schule. Nachdem die Klassen 5 und 6 nach Michelau kamen, stand das Gebäude der evangelischen Schule leer und wurde im Jahr 2012 verkauft. Die Klassen 1 bis 4 sind weiterhin im Schulgebäude der Erhard-Vogel-Straße untergebracht. Die Gemeinde Michelau i. OFr. hatte in den letzten Jahren für verschiedene Maßnahmen (u.a. Schulhofgestaltung 2003/2004, Innenrenovierungen und weitere Maßnahmen in jüngster Zeit) investiert. Verschiedene Gebäude in Schwürbitz dokumentieren die Schulgeschichte.
Text/Bilder: Horst Habermann (Stand 2024)
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