Konstruktive Bürgerversammlung im Pfarrzentrum
Zu einer gut besuchten Bürgerversammlung begrüßte erster Bürgermeister Jochen Weber die interessierten Einwohner, obwohl „es in Schwürbitz schon einmal mehr Teilnehmer gab“, so der Gemeindechef. Er freute sich, dass die Bewirtung vom FC Schwürbitz übernommen wurde, dem auch die Einkünfte des Abends zufließen werden. Im statistischen Teil des Abends ging er auf Schuldenstand, Einwohnerentwicklung, Bauprojekte, Wasserversorgung, Mitarbeiterentwicklung im Rathaus, Schulen und Hort ein (OT berichtete). Ein Raunen ging durch den Versammlungsraum als Weber davon sprach, dass die Rücklagen seit 2022 aufgebraucht wären. Der aktuelle Schuldenstand pro Einwohner liege gut 400,– Euro über dem Landesdurchschnitt. Noch vor den gemeindlichen Großprojekten wäre die Verschuldung weit unter dem Landesschnitt gelegen. Allerdings müsse bedacht werden, welch große Investitionen geschultert wurden. So hätte sich die Sanierung der Michelauer Schule als doppelt so teuer herausgestellt, als veranschlagt. Die Wiederherstellung der Außenanlage stehe hier noch an und die Kosten noch aus. Der Schülerhort in Michelau habe viel Geld gekostet, wie auch die Erschließung des Baugebiets in Lettenreuth. Die Bauzurückhaltung aufgrund der Baukostenexplosion und der unsäglichen Heizungsdebatte sorge dafür, dass Einnahmen nicht so fließen, wie geplant. Währenddessen verringert sich die Einwohnerzahl weiter. Schwürbitz habe zwischen 2022 und 2023 tatsächlich 66 Einwohner verloren. Und dies, obwohl die Zahl der Geburten mit 15 selten so nah an den Sterbefällen von 16 lägen. Die Gesamteinwohnerzahl im Gemeindegebiet verringerte sich insgesamt um 80 Personen, somit ist es ein Löwenanteil, den Schwürbitz hier einbringt. Ein Dank des Bürgermeisters ging an die diesjährigen Spender der Weihnachtsbäume die demnächst abgeholt und innerhalb des Gemeindegebietes aufgerichtet werden. Der Fahrerin des Seniorenmobils Renate Dorst galt ebenso sein Dank. Der Bürgermeister verwies auf den Verkaufsraum im Deutschen Korbmuseum sowie die bevorstehende Räum- und Streupflicht. Für Wanderwege und Grünflächen werden noch Paten gesucht. Wichtig war dem Bürgermeister auch, dass man während seiner Amtszeit durch Entscheidungen und Vorschläge seinerseits gut 900.000,– Euro einsparen konnte. Hierzu gehören auch die momentan laufenden Energiespar- und Umbaumaßnahmen im Schwürbitzer Feuerwehrhaus. Doch trotz aller Sparmaßnahmen und effektiven Vorschlägen, mussten die Druckerhöhung der Wasserversorgung in Lettenreuth und die Neuerrichtung der Schwürbitzer Mainbrücke zunächst einmal auf 2024 verschoben werden. Nach einem Bilderrückblick war die Mainbrücke auch gleich das dringendste Diskussionsthema. Doris Bergmann wollte wissen, wieviel Zeit denn für die Baumaßnahme Mainbrücke eingeplant sei. Der Bürgermeister rechne mit einem Baustart im Sommer des kommenden Jahres, dann solle innerhalb eines Jahres, spätestens jedoch Ende 2025 das neue Bauwerk über den Main fertig gestellt sein. Hierzu wollte Peter Fack wissen, ob den alle Bau- und Umweltprüfungen, Verhandlungen mit dem Wasserwirtschaftsamt und sonstige mögliche Hinderungsgründe schon abgeklärt und ausgeräumt wären. Der Bürgermeister hatte Verständnis für die Sorgen und verwies auf eine geplante Ersatzbrücke. Diese werde im Frühjahr nächsten Jahres, angeblich innerhalb eines Tages, aufgebaut werden. Hierzu wird auf Höhe des Festplatzes „Weiher“ ein „kleines Fundament“ errichtet und die zirka 3 Meter breite Brücke mit einer lichten Durchgangsbreite von 2 Metern mit Hilfe von Stahlseilen schwimmend verlegt. Was sich so einfach anhöre, sei nicht zuletzt durch die Messstation des Mainpegels an der Mainbrücke komplex. Auch müsse die sogenannte Pontonbrücke bei Hochwasser kurzfristig entfernt werden können. Alles Voraussetzungen dafür, dass man das Bauwerk Mainbrücke überhaupt angehen könne, schließlich dürfe auch der Obermaintal-Radrundweg nicht in Schwürbitz „abgeschnitten“ werden. Peter Fack hielt noch einmal dagegen, wie es denn nur zu so einem Investitionsstau hätte kommen können. Hierzu erklärte der Bürgermeister, dass es innerhalb von Michelau jährliche Brückenhauptprüfungen gebe und es habe in Michelau ja wirklich reichlich Brücken. Im Falle der Schwürbitzer Brücke sei man anfangs davon ausgegangen, dass eine Sanierung möglich sei, so wie Ingenieur “A” attestierte. Ingenieur “B” dagegen war dieser Meinung überhaupt nicht und empfahl eine sofortige Sperrung und einen unbedingten Ersatzneubau. „So geht das nun seit 2017 und wer unterschreibt mir, dass die Brücke nicht doch einem Sprötbruchversagen, also einem plötzlichen Zusammenbrechen, ausgeliefert sein könnte?“ Jonas Becker hinterfragte die Belastbarkeit der Ersatzbrücke. Diese werde nur für Fußgänger und Fahrradfahrer oder ähnlichem ausgelegt sein, antwortete der Bürgermeister. Peter Fack bemängelte den allgemeinen Straßenzustand, einzelne Stellen wären richtig gefährlich. Darauf entgegnete der Bürgermeister, dass man erst die Baumaßnahme der Deutschen Glasfaser abwarte, bis man punktuell durch den gemeindlichen Bautrupp reparieren ließe. Eventuelle Schäden, sollen die Bürger bitte im Rathaus melden. Auf die Frage von Wilfried Krauß, ob bei den Bautrupps der Deutschen Glasfaser auch „die richtigen Arbeiter“ am Werk seien und er Pflaster kenne, welches nach dem Verlegen der Glasfaserleitungen bereits jetzt saniert werden müsste, bekam er vom Gemeindechef die folgende Antwort: Sichtbare Schäden werden vom Verursacher kurzfristig ver- und ausgebessert. Man habe auf die gesamte Baumaßnahme, die mit einem 5-Millionen-Aufwand von der Deutschen-Glasfaser allein gestemmt werde, eine Gewährleistung von 5 Jahren. Offensichtliche und auch später eintretende Schäden sollten gemeldet werden, am besten noch bevor die Bautrupps in die Winterpause gingen. Diese Winterpause wurde zwischen Dezember 2023 und Juli 2024 angekündigt. Man sei aber „dran“, dass die Arbeiten bereits im März nächsten Jahres wieder aufgenommen werden, so Weber. Im Falle der Schwürbitzer Bushaltestelle sei eine Generalsanierung, inklusive Barrierefreiheit angedacht. Allerdings ist dies auch wieder mit Planungen und finanziellem Aufwand verbunden. Reinhard Zimmermann lobte den am Wasserkraftwerk in Michelau entstandenen Übergang sowie die Zaunanlage an der Turnhalle. Allerdings sollte die Sprunggrube noch Winter- und Katzenfest abgedeckt werden, was mit 10 Sandsäcken zu machen sei. Oswald Bauer lobte die Uferpromenade und deren Bepflanzung. Auch die Friedhofsmauer sei gelungen. Er bat jedoch, dass der Bautrupp bei der Auswahl der Standorte für die Streukästen aufpasse und im Frühjahr beim Abbau derselben für Sauberkeit sorge. Um etwas mehr Sorgfalt bat auch Manuela Klemenz, da vor kurzem die schön hergerichteten Gräber auf dem Friedhof durch Baumschnittarbeiten verschmutzt wurden. Auf Wunsch von Peter Fack und Jonas Becker erfuhren die Einwohner noch Einzelheiten über das Landkreisweite „Erzeugernetzwerk“ und die Nahwärmeversorgung. Bürgermeister Weber erklärte kompetent, wie die Flächennutzung innerhalb des Landkreis koordiniert werde. So könne man als Gemeinde innerhalb des Regionalwerkes flexibel Landkreisweit investieren. Auch Investitionen von Privat wären hier möglich. Arnold Fleischmann bemängelte die Anschaffung eines Fahrzeugs innerhalb der gemeindlichen Fahrzeugflotte. Das scheinbar große Auto, sei aber so Bürgermeister Weber eine Einsparungsmaßnahme im Vergleich zum vorhergehenden Zustand. Ferner sei das Auto auch für „Offroad“-Einsätze wichtg und geeignet dafür. Reinhard Zimmermann brachte die Frage auf, ob mit der eingenommenen Hundesteuer die vielen Kottüten bezahlt wären, die verbraucht werden? Hierzu klärte Bürgermeister Weber auf, dass die 27 Tütenstationen von der Gemeinde gut gemeint wären. Wenn allerdings frisch aufgefüllte Behälter innerhalb eines halben Tages leer wären, bliebe es in Zukunft bei der Halterpflicht, sich selbst um ordnungsgemäße Entsorgung des Hundekots zu kümmern. In Sachen Hundesteuer, die auch Oswald Bauer hinterfragte, verhielte es sich so, dass diese Einnahmen zunächst einmal Zugänge des Haushalts wären. Es wäre wünschenswert, dass alle Hunde, wie vorgeschrieben, ihre Steuermarke um den Hals tragen, allerdings ist dies, im Gegensatz zum Straßenverkehr, nicht kontrollierbar. Die Hundesteuerpflicht bestehe aber und ist wichtig. Es erging noch der Appell, das Hunde auf den Friedhöfen nichts verloren hätten. Anschließend ging es um die Rathausuhr. Diese Uhr ginge seit Monaten falsch. Der Eigentümer des alten Rathauses habe versprochen, sich um die Uhr zu kümmern. Sollte jedoch ein Schaden am Werk vorliegen und die Uhr nicht mehr pünktlich gehen können, wäre die Gemeinde in der Pflicht. Roland Braun und Carlo Scheidt erklärten hierzu Hintergründe. Vielleicht könne man hier auch Mittel aus der Gemeindestiftung verwenden? In Sachen Feinteerschicht auf dem Kirchenweg machte Bürgermeister Weber keine Hoffnung auf eine Renovierung. Mit Verweis auf die Verschuldung, worauf man wahrhaftig nicht stolz sei, sei keine Renovierung des vom Verkehr fern liegenden Wegs vorrangig. „Da habe man an manchen Stellen im Gemeindegebiet dringlicheren Handlungsbedarf, damit kein Kind beim Schulweg zu Schaden kommt.“ Dies gelte auch für die angesprochenen Zuschüsse für die Schulkinderbeförderung mit Bussen. Diese Aufwendungen sind für Kinder und deren Familien wichtig und werden geleistet. Reinhard Zimmermann wollte wissen, ob es in Michelau Asylanten gebe. Hierzu konnte Bürgermeister Weber keine genaue Auskunft geben. „Offiziell nicht, es gebe aber die Möglichkeit, dass einige dezentral oder privat untergebracht wären“, so Weber. Auf die Verwendung des leer stehenden Altenheims angesprochen, antwortete Jochen Weber, dass das Gebäude komplett unter Verwaltung der Diakonie stehe und die Gemeinde hier keinen Einfluss auf eine Anschlussverwendung hätte. Helmut Klamke verstand nicht, dass im Bereich Coburger Straße eine Geschwindigkeitsbeschränkung von 30 eingeführt werden konnte, es aber seit Jahren nicht möglich sei, auf der gleichen Straße in Richtung Marktzeuln eine Beschränkung einzuführen. Auch hier klärte der Bürgermeister mit viel Hintergrundwissen auf, dass es bei dieser Kreisstraße zwar keinen Zebrastreifen geben könne, was auf der Höhe des Horts sicherlich hätte helfen können. Die Beschränkung auf Tempo 30 in Verbindung mit den Schulweghelfern sei eine vom Landratsamt genehmigte Maßnahme, um möglichst viel Sicherheit für die Hortkinder zu gewährleisten. Die Gemeinde könne hier nicht einwirken, da es sich um eine Kreisstraße handele und ganz nebenbei die Unfallstatistik nicht dafür spreche, dass im Verlauf der Straße, eine weitere Geschwindigkeitsbeschränkung von Nöten sei. Am Ende der sehr konstruktiven Bürgerversammlung dankte der Bürgermeister den Einwohnern recht herzlich für den Besuch, den Gedankenaustausch und die Aufträge an die Gemeinde. „Schließlich sind wir von der Gemeinde Eure Dienstleister!“, so Jochen Weber abschließend. Der Fußballclub Schwürbitz versorgte die Gäste anschließend noch einige Zeit und so manches kreative Gespräch ergab sich außerhalb der offiziellen Versammlung. sam


Bürgermeister Weber erklärte, wer sich vor an der Kerwa auf der Mainbrücke getroffen hatte.

Keineswegs nur Bierernst ging es an der Bürgerversammlung zu. Konstruktiv und Zukunftsgewand war die Stimmung.
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