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Sperrung der Schwürbitzer Mainbrücke – zum Jahrtag!

Normalerweise gedenkt man jemanden zum Jahrtag, wenn ein Freund oder Bekannter von uns gegangen ist. Heute gedenken wir unserer Mainbrücke, die uns seit 1946 zuverlässig und sicher über den Main brachte. In diesen Tagen ist Jahrtag der Sperrung und es erhitzten sich letztes Jahr die Gemüter darüber, dass man mit dieser Maßnahme das Geschäft der Fußballer, einige Tage vor der Kerwa, kaputt macht. Jeder weiß, dass die Fußballer mit ihrem Kerwesprogramm wichtige Einnahmen generieren, um den Spielbetrieb und das FC-Heim aufrecht zu erhalten. Legendär sind die Kerwes-Gaudi-Spiele, wo etwa die Damenmannschaft „Steiler Zahn“ gegen die „Alten Herren“ antraten und für Stimmung sorgten. Damals wurde eine Verlosung abgehalten und die Preise dafür in den Mittelkreis gestellt. Die vielen Zuschauer kauften kräftig Lose und schleppten die Preise davon. Die Gaudi war groß. So groß, dass sich damals der Oodel als Torwart der „Alten“, während eines Angriffs seiner Mannen, in den gewonnenen Schaukelstuhl im Tor setzte und so gemütlich den nächsten Angriff der Damen abwarten konnte.

Doch diese Zeiten sind vorbei. Heute ist man auf jeden Gast angewiesen und auch schon wieder gut 30 Jahre ist es her, dass zum Frühschoppen am Kerwesmontag, der Platz im Gastraum kaum ausreichte. Da stand der Horst Sonntags und Montags schon um halbneuna hinter dem Zapfhahn und fragte kaum nach, was einer denn trinken wollte, wenn er durch die Tür kam. Er schenkte ein. Der Willi und der Paul zeigten am Kerwesmontag mit Stolz die gesammelten Preise und das Drehrad rappelte. „Rappl die Katz, wer gewinnt der hat´s“ rief der Paul und lautes Gejohle brandete auf, wenn der Preis besonders attraktiv war. Und heute?

Die Brücke ist immer noch gesperrt und so mancher der nicht mehr ganz so gut zu Fuß ist, möchte dem FC schon einen Besuch abstatten oder sich zumindest mit dem Auto hinbringen lassen. Eisern organisiert die Vereinsführung ein Kerwesprogramm und versucht, am Donnerstag ab 17.00 Uhr mit Spezialitäten aus der Fußballerküche und Fußballspielen am Samstag und Sonntag alles, damit die beschriebenen Einnahmen doch noch zusammen kommen. Ja, sogar einen Sonntags-Mittagstisch haben sie organisiert: Es gibt Rouladen mit Klöß und Blaukraut und Schäuferla mit Kraut und Kloß. Vorzubestellen beim Vorstand Christoph Kolb unter Telefonnummer: 01 60/8 97 02 77. Bereits im vergangenen Jahr gab es Ratschläge, die mobile Rodachbrücke von den Marktzeulner Schützen auszuleihen, damit man etwa vom „Weiher“ aus, das FC-Heim erreichen könne. Zulieferern und einigen Auserwählten wird nun seit einem Jahr „großzügig erlaubt“, sich von Süden her, dem FC-Heim zu nähern. Und sonst? Still ruht der See!

Während der eine Ingenieur vor gut zwei Jahren der Mainbrücke noch attestierte, Tonnenlasten tragen zu können, empfahl der andere die sofortige Sperrung. Also Schild aufstellen, Feierabend! Jetzt beginnt auch wieder die Zeit, wo es früher dunkel wird und jung und alt auf dem unbeleuchteten Weg unterwegs ist. Alles schon mal besprochen, Schwamm drüber – „abwarten und Tee trinken“.

Und der Frühschoppen? Die Fußballer halten (noch) durch. Sie veranstalten sogar wieder den traditionellen Kerwesmontagfrühschoppen. Aber der Horst steht halt nimmer um halbneuna am Hahn. Um 10.00 Uhr können die letzten verbliebenen Unterstützer, die sich zutrauen bereits am Vormittag schon eine Hopfenkaltschale zu genießen, zu Fuß aufkreuzen. Dann werden die Weißwürste frisch und dampfend aus dem Topf geangelt und die Brezn sind knusprig. Und wenn sich das nicht mehr rechnet, weil doch zu wenig gekommen sind, stirbt wieder eine Tradition. Also ein weiterer Jahrtag vorprogrammiert!?

Wenn die Gäste nicht zum FC-Heim kommen, kommt der Ausschank zur Mainbrücke? Ausprobiert haben das die Jungs vom FC schon mal…

Die Gaudispiele sind bereits Geschichte und werden wohl nie mehr „auferstehen“. Und was ist mit der altgewohnten Verlosung? Nun, Schaukelstühle sind wahrscheinlich auch nicht mehr zu gewinnen und doch… ein bisschen was regt sich noch. Der Bernd nimmt das Erbe seines Schwiegervaters Willi auf und sammelt fleißig Preise. Wer ihn unterstützen möchte, ist gerne gesehen! Und Lose können beim FC gekauft werden. So viel und so lange der Vorrat reicht. Und weil am Nachmittag nix mehr los ist, hat sich Rainer vom Stern als langjähriges Vereins- und Vorstandsmitglied bereit erklärt, die FC-Fans in seinen Räumlichkeiten oder im Biergarten zu empfangen. Hier wird dann auch die Preisverteilung sein und man darf drauf gespannt sein, ob vielleicht doch die „Katz wieder rappelt“?

Noch einmal zurück zu unserer Mainbrücke:

Finanziert wurde die Mainbrücke damals durch einen Spendenaufruf, nachdem die alte Mainbrücke in den letzten Kriegstagen unnötigerweise gesprengt wurde. Als die Spenden nicht ganz reichten, legte man den fehlenden Betrag pro Kopf auf die Einwohner um und konnte so, ein gutes Jahr nach der Sprengung, den Main wieder überqueren. „Baumeister“ der Brücke war damals Wirt und „Metaller“ Georg Krapp, der in Burgkunstadt bei der „Fima“ arbeitete. Das die Brücke aus Kannonenrohren gefertigt sein soll, hielt sich lange, ist aber ein Mythos. Denn die Rohre, aus denen die Brücke gebaut ist, sind weder konisch noch so massiv, dass sie in Panzern oder ähnlichem hätten verbaut werden können. Vor einigen Jahrzehnten diente die Brücke sogar als Sprungturm. So ein cooles drei, vier oder „Fünfmeterbrett“ hatte kein Schwimmbad der Umgebung aufzuweisen! Und wer sich nun fragt, warum man aus verschiedenen Höhen von der Brücke springen konnte, soll sie sich einmal anschauen, so lange sie noch, amtlich angeordnet, vor sich hin gammelt. Wenn man nämlich vom Holzbelag aus sprang – Achtung heute nicht mehr möglich, da der Main an dieser Stelle nicht mehr tief genug ist – , also von der Basis aus, waren drei Meter Sprunghöhe möglich, eine Querstrebe höher hatte man schon 4 Meter und ganz verwegene Burschen sprangen natürlich vom höchsten Punkt der Brücke aus ins kühle Nass. Damals wurde der Kies vom ortsansässigen Baggerbetrieb noch „nass abgebaut“, was aber eine eigene Schwürbitzer Geschichte darstellen würde.

Der Schwimmbagger holte den Kies aus dem Main. Repro: Horst Habermann

Weil im Laufe der Zeit, die Brücke nicht mehr verkehrssicher, geschweige denn amtlich sprungtauglich war, wurde ein Fußgängergeländer angebracht. Also war nun die Brücke ein bisschen sicherer geworden und jetzt soll sie weichen. Man stelle sich vor, alle Metallbrücken müssten mit knapp 80 Jahren abgerissen werden. Was würde da eine Stadt wie San Franzisco machen, ohne ihr Wahrzeichen, dass dann wahrscheinlich durch eine Betonpiste, natürlich mit Fußgängergeländer, ersetzt werden würde. Zum Glück stellte schon unser Bürgermeister Dirk, einen annehmbaren Vorschlag vor, wie man die Brücke so ersetzen könnte, dass sie zum Ortsbild passt und die Optik der beiden Vorgängerbrücken aufgreift.

Noch etwas weiter zurück: Da die Ursprünge von Schwürbitz dort unten am Main lagen und der Main quasi die Lebensader von und für Schwürbitz war, wollte man schon vor hunderten von Jahren trockenen Fußes auf die andere Seite gelangen. Der Lindenwirt hatte geöffnet und sicherlich kamen auch von jenseits des Mains durstige Wanderer und Bauern, die Schwürbitz erreichen wollten. Also wurde ein Steg gebaut, auf dem man queren konnte. Dafür brauchte man damals keine Gutachten und Anträge sondern Material und „Anpacker“.

Früher, ja früher konnte man noch einen Steg bauen, wenn die Brücke fehlte. Sowas geht natürlich 2022/23 nimmer!

1990, so eine Studie, hatte man 5000 Bauvorschriften zu beachten und die Baubranche boomte. Heute sind es 20.000 Vorschriften und es wundert einem nicht, dass überall Stillstand herrscht. Ganz abgesehen vom fehlenden Geld, das in Hortstätten verbaut ist, die ebenfalls den allerallerneuesten Baustandards entsprechen. Da frage noch einer nach einer Veranstaltungshalle oder einer ordentlichen Renovierung unserer Schwürbitzer Turnhalle. Übrigens: Die Infrastruktur, welche in Schwürbitz besteht, wurde 1978 sämtlich von Schwürbitz mit in die Zwangsehe eingebracht. Man hatte sogar noch die ein oder andere Immobilie mehr, die von der Gemeinde Michelau emotionslos „verklopft“ wurde. Noch heute sehe ich vor mir, wie zur damaligen Zeit, das Dach des Rathauses geöffnet wurde und alle Unterlagen, die sich darin befanden, in hohem Bogen aus dem Dachboden, ohne Prüfung des Inhaltes, auf dem Unimog vom Märtel landeten. Einige Zettel, auf denen damals Marken klebten, habe ich gerettet. Und heute hätte man kein Geld für die ordentliche Herstellung einer Mainbrücke? Nicht einmal für eine Behelfsbrücke zur Unterstützung des FC´s reicht es? Da wendet man sich ab und weint bitterlich. sam

Frühere Generationen berichteten davon, dass der Bahnhof Hochstadt aus der Luft bomadiert wurde. Die Mainbrücke wurde 1946 gesprengt und 2022 fand man keine Sprengmittel mehr, die einen Neubau hätten verhindern können. Sensation!

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