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Story – Ausbau der Ortsverbindungsstraße Michelau-Schwürbitz in früherer Zeit

Aus der Archivsammlung von Horst Habermann am 25.03.2022

„Möge es eine Straße des Friedens und der Freude sein!“

Einweihung der Ortsverbindungssstraße Michelau-Schwürbitz am 09.08.1958. Repro hh
  • Die neue Ortsverbindungsstraße Michelau – Schwürbitz frei für den Verkehr im Jahr 1958
Schlechter Zustand ca. 1956/57 hh
Alte Straße von Michelau in Richtung Schwürbitz ca. 1956/1957 repro hh
Luftaufnahme mit verändertem Straßenverlauf (Schwürbitz-Michelau) ca. 1956/57 Repro hh

Schwürbitz/Michelau

„Es waren zwei große Gemeinden, die lagen einander so nah. Sie konnten zusammen nicht kommen, es war keine Straße da!“, so lauteten die Eingangsworte anlässlich der Einweihung der Ortsverbindungsstraße Michelau – Schwürbitz am Montag, den 11. August 1958 im „Tagblatt Lichtenfels“ (H.S.), nachdem die neu ausgebaute Straße am Samstag, den 9. August 1958 feierlich eingeweiht wurde. Der Verfasser der Story, Horst Habermann, konnte sich daran noch genau erinnern, nachdem er sich mit seinem Bruder Bernd und den Nachbarskindern (u.a. dabei auch Franz-Xaver Heid, sein späterer Kollege und Gemeindebediensteter der Gemeinde Michelau) an der Einweihung einfand. Ebenso waren dort viele Bürger beider Gemeinden vertreten.

Denn die wichtigste Verkehrsanbindung für Schwürbitz war und ist stets die Straße nach Michelau, die zur B 173 und Kreisstadt Lichtenfels führt. Die vor allem in der Gemarkung Schwürbitz auf gleicher Höhe mit dem Wiesengelände einst verlaufende Straße wurde alljährlich auch bei kleineren Hochwassern überschwemmt. Kaum hatten die Schwürbitzer Gemeindearbeiter die Straße notdürftig ausgebessert, wurde die Straße durch die nächsten Hochwasser wieder zerstört, für Radfahrer und Fußgänger ein Graus, beschwerlich für Fahrzeuge ebenso. Wegen des immer schlechter werdenden Zustandes (Löcher und Pfützen) und nach vielen Jahren von Diskussionen, Überlegungen und Planungen wurde die Straße schließlich im Jahr 1958 höher gelegt bzw. neu ausgebaut. Die beiden Bürgermeister Johann Nemmert, Michelau und Georg Bornschlegel, Schwürbitz, brachten anlässlich der Einweihung im August 1958 ihre besondere Freude zum Ausdruck.

Im Zeitungsbericht von damals ist weiterhin vermerkt. Ein Vers. Aber – es war einmal! Nun ist eine Straße da. Eine schöne, eine elegante Straße, eine wirklich neuzeitliche Straße!

So ehrlich und aufrichtig sie damals war, diese Straße – damals, als sie, vom Verkehr zerschunden, vom Hochwasser zernagt, erbarmungswürdig dalag – immer wieder zu betonen, wie leid es ihr tue, dass man so viele Silberstücke in ihre Wunden stopfen müsse, so ehrlich und aufrichtig ist sie nun, zu bekennen, dass sie es selbst nicht für möglich hielt, so rasch und so gründlich mit noch viel, viel mehr Silberstücken auf so erstaunliche Weise aufgebaut zu werden.

Aber – nun ist sie da. Eine schöne, eine elegante (weiße Betonpfähle mit Katzenaugen begrenzen sie auf der ganze Länge und ein stabiles, schmuckes Geländer entlang der „Altung“ – ein Altgewässer des früheren Mainverlaufes – macht sie absolut verkehrssicher) – eine wirklich neuzeitliche Straße!

„Das seit Generationen erstrebte Ziel der Gemeinde Michelau und Schwürbitz, die beide Gemeinden verbindende Straße hochwasserfrei zu legen und zeitgemäß auszubauen, ist erreicht. Die Bauarbeiten, mit denen im Herbst 1957 begonnen werden konnte, sind vollendet. Ein Bauwerk, das sich besonders segensreich für die werktätige Bevölkerung von Schwürbitz und seinem Hinterland auswirkt und sich in seiner schön geschwungenen Form harmonisch in das Landschaftsbild einfügt, kann nun für den Verkehr freigegeben werden“. Mit dieser berechtigt stolzen Feststellung, die in prägnanter Weise das uralte Problem dieser Ortsverbindungsstraße durchleuchtet, hatten die Gemeinden Michelau und Schwürbitz Einladung zur offiziellen Freigabe ergehen lassen. Das war auch der Inhalt der Eröffnungsansprache von Ersten Bürgermeister Johann Nemmert, Michelau, der die begrüßenden Worte an alle richtete, die sich am Samstagnachmittag, den 9. August 1958 an der Biberbachbrücke eingefunden hatten.

Sein besonderer Gruß galt dem stellvertretenden Landrat Fritz Eberth (er war für den verhinderten Landrat Dr. Jüngling vertreten), Bundestagsabgeordneter Herbert Hauffe, Bau-Ing. Püls vom Wasser- und Flussbauamt Kronach, Senator Bürgermeister Georg Partheymüller (Marktzeuln), Kreisbaumeister Ruff und der Firma Och mit der gesamten Gefolgschaft, an ihrer Spitze Michael Och.

Der Kampf zur Erreichung des Zieles, so betonte Bürgermeister Nemmert, sei nicht leicht gewesen. Und noch manche Schwierigkeit gelte es zu überwinden. Doch werde auch hier ein Weg gefunden werden, besonders was den Anschluss an die Michelauer Bahnhofstraße betreffe, der der Schönheit dieser neuen Straße entsprechen sollte. Ein seit Generationen währender Kampf, wie er besonders von den Schwürbitzern geführt wurde, sei an jenem 16. April 1955 in sein entscheidendes Stadium getreten, als die Gemeinderäte von Schwürbitz und Michelau zusammen mit dem damaligen Kreisrat Karl Fischer eifrig diskutierten und berieten, wie zu einem Ziel zu kommen sei. Im August des gleichen Jahres habe eine erneute Zusammenkunft, diesmal in der Turnhalle Michelau, stattgefunden. 1956, nach langem Kampf, sei eine größere Summe von der Regierung zugesagt worden, aber erst 1957 die Restfinanzierung gelungen, so dass die Bauarbeiten begonnen werden konnten. Hier gelte es den Männern zu danken, die den Kampf unterstützten, besonders Bundestagsabgeordneten Herbert Hauffe, Lichtenfels/Schney (1953 bis 1969) und Senator Bürgermeister Georg Partheymüller, Marktzeuln. Und so wie dem Planer der Straße, Bau-Ing. Püls, Kronach, Dank gebühre, gebühre vor allem der Firma Och und deren Arbeiterschaft, die bei Wind und Wetter ihren Mann gestanden und ein Werk geschaffen haben, das uns erfreue, das die Menschen zusammenführe und dem der Herrgott wohl seinen Segen nicht versagen werde. Möge, so schloss Erster Bürgermeister Johann Nemmert (Michelau, er war von 1948 bis 1972 Bürgermeister, späterer Titel Altbürgermeister und Ehrenbürger der Gemeinde Michelau i. OFr.), diese Straße eine Straße des Friedens und der Freude sein, für alle Zeiten!

Erster Bürgermeister Johann Bornschlegel, Schwürbitz, setzte sich mit Begriff, Wesen und Bedeutung einer Straße auseinander, betonte, dass eine Straße das Gesicht einer Landschaft präge, dass Straßenbau eine der großen schöpferischen Taten sei, da Straßen und Brücken die Menschen verbinden und vereinten und dass eine Straße wie diese ein Anlass zu Stolz und Freude sei. Sein Dank galt allen Persönlichkeiten, die mithalfen, den Bau zu vollenden, vor allem Bürgermeister Nemmert und seinen Gemeinderäten. Möge die Straße für alle Zeiten zu guter nachbarlicher Freundschaft beitragen!  Das war der Wunsch des Bürgermeisters der Gemeinde Schwürbitz.

Senator Bürgermeister Georg Partheymüller (im Volksmund auch „dä Zeulner Haatz“ genannt) ließ die Gedanken zurückschweifen in die Jugendzeit, da ihn schon sein Vater zu Versammlungen mitgenommen habe, auf denen das Thema einer Verbindungsstraße Schwürbitz – Michelau bereits eifriger Beratungsgegenstand gewesen sei. Und er erinnerte in diesem Zusammenhang an den Schwürbitzer Einwohner Adam Dumproff, „der den Bau der Straße absolut erzwingen wollte“. Der Bahnhof für Michelau sei der Bahnhof für Schwürbitz. Diese Straße habe einen ausgesprochenen marktpolitischen Charakter. Nicht nur all die vielen Menschen, die die Straße Tag für Tag passieren müssen, alle umliegenden Gemeinden würden zweifellos nunmehr dankbar und zufrieden sein.

Bundestagsabgeordneter Herbert Hauffe deutete vor allem darauf hin, dass Bürgermeister Nemmert sein Verdienst um diese Straße bescheiden verschwiege. Als der erste Damm am Bahnhof Michelau zur Schaffung von Industriegelände entstand, habe sich ein Gesamtprojekt abgezeichnet, dessen Schlussstrich die Hochwasserfreilegung der Straße Schwürbitz –Michelau gebildet habe. Der Ausbau dieser Straße sei ein Musterbeispiel dafür, wie in einem demokratischen Staat die verschiedenen Instanzen ineinandergriffen und zusammenarbeiteten. Bei allen Behörden habe er letztlich Verständnis und Hilfe gefunden. An den Dank für die schöne Geste, die ihm mit der Einladung zu dieser Eröffnungsfeier zuteil geworden sei, schloss Bundestagsabgeordneter Hauffe das Versprechen ab, auch in der Zukunft für seinen Heimatkreis tun zu wollen, was in seinen Kräften stehe, und er wünschte dem neuen Bauwerk jenen Segen, den man von ihm erhoffe.

Als letzter ergriff stellvertretender Landrat Fritz Ebert, Schney, das Wort. Die Vollendung dieses Baues – so sagte er – bedeute die Vollendung einer Baumaßnahme, auf die sich die Gemeinden Schwürbitz und Michelau von Herzen freuten. Endlich sei eine den Verhältnissen entsprechende Straße Wirklichkeit geworden. Die Schreie und Rufe dieser Straße um Hilfe seien bekannt! Mit Recht werde sie sich nun ihres neuen Kleides erfreuen – und alle Straßenbenutzer dürften ihre Freude teilen. Das aber sei nicht von selbst geworden. Nur Dank der Zusammenarbeit der Gemeinde Michelau und Schwürbitz und dank der Landkreisverwaltung, deren beste Wünsche er zu übermitteln habe, sei das Ziel erreicht worden. Endlich hätten die Benutzer dieser Straße etwas unter den Füßen, worauf man ohne Gefahren zum Arbeitsplatz gelangen könne. Mit dem Wunsch, dass die neue Straße in recht langen Friedensjahren ihrer Aufgabe dienen möge, durchschritt der stellv. Landrat das von Geländer zu Geländer der Biberbachbrücke gezogene weiße Band und gab die neue Ortsverbindungsstraße Michelau – Schwürbitz offiziell dem Verkehr frei.

Laut Aussage vom früheren Ersten Bürgermeister Karl Götz, Schwürbitz, war damals die Gemeinde Schwürbitz in den Jahren 1957/58 federführend beim Bau der Ortsverbindungsstraße Michelau–Schwürbitz (wegen der Hebesätze), so „Archivar“ Horst Habermann (das eine weiße Band befand sich später im Eigentum der Gemeinde Michelau, das andere weiße Band im Eigentum der Gemeinde Schwürbitz). Habermann erinnerte sich auch daran an frühere Kindheitsjahre, dass in der Gemarkung von Michelau, in Höhe späterer „Rudufersee“ bzw. Nähe kleiner Baggersee der Familie Höppel, sich direkt neben der Straße die „Altung“ (ein „Altarmgewässer“ des Maines) befand. An den freien Stellen zwischen dem Strauchwerk standen immer die Angler und angelten zumeist Hechte, ein Beweis für die Tiefe des Gewässers, das auch Verbindung mit dem Biberbach hatte. Zur Sicherheit des Verkehrs brachte man später dort auch ein Eisengeländer an.

Wenn man in der Chronik „Ortsverbindungsstraße Michelau-Schwürbitz“ zurückblättert, war die wichtigste Verkehrsanbindung für Schwürbitz stets die Straße nach Michelau, die zur B 173 und Kreisstadt Lichtenfels führt.

Die im Jahr 1958 erstellte Ortsverbindungsstraße wurde in späteren Jahren (ca. 70/80iger Jahre unter Bürgermeister Fritz Groß) jeweils von der Gemeinde Michelau mit einer neuen Teerschicht versehen. Ebenso wurde in den 80iger Jahren (ca. 1984/85) ein Rad- und Gehweg unter Erstem Bürgermeister Georg Reuther angebaut und sorgte somit für mehr Verkehrssicherheit. Jahre später (bereits in der Neuzeit) wurde unter Erstem Bürgermeister Helmut Fischer mit 24 aufgestellten Straßenlampen dieser Rad- und Gehweg ausgeleuchtet.

Die im Jahr 1958 errichtete „Biberbachbrücke“ wurde im Jahr 2013 unter Bürgermeister Helmut Fischer verändert. Die marode Brücke wurde abgerissen, dabei kamen verrostete Träger und Eisenteile zum Vorschein, die auf die Dringlichkeit einer Sanierung deuteten. Der Unterbau wurde aufwendig bearbeitet. Anschließend wurde eine Halbfertigdecke erstellt und mit Teerbelag versehen. Gleichzeitig wurde die Ortsverbindungsstraße vor und nach der Brücke auf einer größeren Länge „ausgekoffert“ und mit einem neuen Teerbelag versehen. So erhielt dieser Bereich im Rahmen der Hochwasserfreilegung ein neues Gesicht. Die Arbeiten der Hochwasserfreilegung im Bereich der Biberbachbrücke Michelau gingen in den Jahren 2018-2021 (Bürgermeister Helmut Fischer, Dirk Rosenbauer, Jochen Weber) dem Ende entgegen. Die „Ortsverbindungsstraße Michelau–Schwürbitz“ wurde dabei in diesem Bereich entsprechend den Erfordernissen höher gelegt. Auch der Rad- und Gehweg wurde in diesem Bereich verlegt und neu gestaltet. Ebenso wurde der Bereich der Schleuse noch verändert.

Text und Fotos (Repros) Horst Habermann

(Archiv hh – Habe die alte Straße in den Jahren 1957-1958 als Kind noch selbst erlebt und war 1958 bei der Einweihung dabei!)

Unsere Fotos zeigen:

  1. Einweihung der neuen Ortsverbindungsstraße im Bereich der Biberbachbrücke am 9. August 1958 mit den beiden Bürgermeistern (schwarze Anzüge, links Johann Nemmert, Michelau und rechts Georg Bornschlegel, Schwürbitz.
  2. Ein weiteres Bild zeigt den sehr schlechten Zustand der tiefer gelegenen alten Ortsverbindungsstraße vor 1958, die bei Hochwasser immer überschwemmt war.
  3. Nochmals ähnliches Bild der alten Straße.
  4. Älteres Bild (Luftaufnahme) vor dem Bau der Ortsverbindungsstraße mit anderem Verlauf

Repros hh

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