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Gedenken zum Volkstrauertag fand statt

Volkstrauertag-Gedenkfeier abgehalten

Vorher Gottesdienste in beiden Kirchen

Schwürbitz

Im würdigen Rahmen wurde am Sonntag (14. November 2021) in Schwürbitz die Gedenkfeier zum Volkstrauertag unter den „Corona-Hygienevorschriften“ abgehalten.

Zunächst fanden in beiden Kirchen Gottesdienste statt, wobei das Thema des Volkstrauertages aufgegriffen wurde.

In der Herz-Jesu Kirche nahmen die Vereine mit Fahnenabordnungen am Gottesdienst teil.

Anschließend ging es vom Kirchenvorplatz der Herz-Jesu Kirche in der „kleinen Kirchenparade“ hinauf zum Göritzenplateau ans Ehrenmal, wo eine Gedenkfeier mit den Ortsgeistlichen, Pfarrer Diter Glaeser und Pfarrer Matthias Hain mit weiteren Kirchenvertretern, sowie Zweiten Bürgermeister Hans-Georg Borchert in Anwesenheit von Gemeinderäten sowie allen Vereinsvertretern abgehalten wurde. Die Freiwillige Feuerwehr Schwürbitz stellte mit Fackeln die Ehrenwache.

Eingangs spielte die Blaskapelle Schwürbitz unter Leitung von Michael Stettner „Über allen Gipfeln“.

Zweiter Bürgermeister Hans-Georg Borchert erinnerte in seiner Ansprache an die vielen Schicksale und Opfer der Kriege in der Vergangenheit, doch auch zeitnahe Schicksale der Bundeswehr im Auslandseinsatz, die niemals vergessen werden dürfen.

Oberstes Ziel für gegenwärtige und zukünftige Generationen müsse es immer sein, in Frieden und Freiheit zu leben. So nehmen wir uns in dieser Stunde Zeit, über die vielen Opfer nachzudenken.

Anschließend legte Zweiter Bürgermeister Hans-Georg Borchert im Beisein der Ortsgeistlichen sowie im Kreis der Ortsvereine mit Fahnenabordnungen am Kriegerdenkmal einen Kranz nieder. Dazu spielte die Blaskapelle „Ich hatt` einen Kameraden“.

Pfarrer Diter Glaeser und Pfarrer Matthias Hain sprachen abwechselnd Gebete und Gedanken. Sie erinnerten an Krieg und Gewalt, sowie an die grauenhaften und schrecklichen Ereignisse der letzten Monate. Beide Ortsgeistlichen stellten dabei den Satz „Der Mensch ist nicht gemacht zum Töten“ in den Vordergrund. Beide Ortsgeistlichen erteilten nach einem gemeinsamen „Vater unser Gebet“ den Schlusssegen.

Anschließend sang der Männergesangverein „Cäcilia“ unter Leitung von Reinhard Lutter „Näher, mein Gott, zu Dir“. Zweiter Bürgermeister Hans-Georg Borchert dankte allen Teilnehmern, insbesondere den beteiligten Vereinen mit Fahnenabordnungen, der Blaskapelle, dem Männergesangverein Cäcilia, der Freiwilligen Feuer für die Ehrenwache, den beiden Ortsgeistlichen sowie allen weiteren Bürgern für die Teilnahme an der Gedenkfeier. Nochmals spielte die Blaskapelle „Stumm schläft der Sänger“.

Volkstrauertag Schwürbitz am 14.11.2021 (hh)
Beide Ortsgeistlichen, Pfarrer Diter Glaeser und Pfarrer Matthias Hain mit 2. Bürgermeister Hans-Georg Borchert. (hh)
Eingangs spielte die Blaskapelle Schwürbitz am Kriegerdenkmal Schwürbitz „Über allen Gipfeln“. (hh)
2. Chorleiter Reinhard Lutter dirigierte den Männergesangverein Cäcilia 1856 Schwürbitz. (hh)
Zweiter Bürgermeister Hans-Georg Borchert (Gemeinde Michelau i. OFr.) hielt die Gedenkansprache. (hh)
Gedenkfeier zum Volkstrauertag Schwürbitz am 14.11.2021 (hh)
Blaskpelle Schwürbitz beim Volkstrauertag Schwürbitz am 14.11.2021 (hh)

Text und Fotos Horst Habermann

Danke Horst, für Deinen Bericht, den wir hiermit um den Redetext von Zweitem Bürgermeister Hans-Georg Borchert ergänzen. Es war eine individuell verfasste Rede. Zu wenige Schwürbitzer konnten sie hören, deshalb hier die Veröffentlichung.
SF:

Liebe  Mitbürgerinnen und Mitbürger,
sehr geehrte Geistlichkeit!


Wir befinden uns im Jahr 2021 und das heißt:
Wir befinden uns also 76 Jahre nach dem Ende des 2. und 103 Jahre nach dem Ende des 1. Weltkrieges.

Als mir vor ein paar Wochen bewusst wurde, dass ich im Rahmen meines relativ neuen Amts als 2. Bürgermeister der Gemeinde Michelau, bei der heutigen Veranstaltung eine Rede halten darf, konnte ich, dass muss ich zu meiner Schande gestehen, zunächst einmal nicht wirklich viel damit anfangen. Mir war bis dahin nicht ganz klar, worin der Sinn bzw. die Notwendigkeit dieses Tages liegt.

Ich schätze, so wie mir geht es vielen Menschen meiner Generation und noch viel mehr den jungen Leuten, die einen noch geringeren Bezug zu den zwei fürchterlichen Weltkriegen haben als ich. So habe ich zumindest noch durch meinen Vater und meinen Großvater erfahren, was es bedeutet in einer Zeit aufzuwachsen bzw. zu leben, in der man täglich um Leib und Leben zittern musste, geliebte Familienmitglieder verlor und fast täglich mit grausamen Ereignissen und Unterdrückung konfrontiert wurde.

Ich habe zwar die Geschichten gehört,

  • von der Flucht über das vereiste Haff
  • von dem Glück, dass man in der Nacht in der Dresden dem Erdboden gleichgemacht wurde, durch Zufall ein paar Kilometer davor eine Übernachtungspause einlegte;
  • von den fürchterlichen Geschehnissen an der Front, die mir mein Großvater, der in beiden Krieges kämpfen musste, ab und zu erzählte;
  • und natürlich von den Vertreibungen und den, unfassbaren Verbrechen, gegenüber Juden, Sinti, Roma, Homosexuellen, Behinderten und Andersdenkenden.

Diese Geschichten waren für mich, aufgrund des Zusammenhanges mit meiner Familie, zwar immer sehr interessant, aber im Großen und Ganzen doch relativ abstrakt; und da in den letzten Jahren bei uns allen auch noch politische, wirtschaftliche und persönliche Probleme auftraten, wurde das Interesse an diesen Vergangenheitsproblemen schon sehr in den Hintergrund gerückt.

Doch aus den, am Anfang meiner Rede genannten Gründe, fing ich in den letzten Wochen an, mir mehr und mehr Gedanken darüber zu machen und habe mir ganz bewusst mal provokante Fragen gestellt:

  • Warum soll man sich überhaupt mit der Vergangenheit beschäftigen?
  • Es sind doch längst vergangene Zeiten!
  • Wir haben doch mit diesen Geschichten überhaupt nichts mehr zu tun!

Und zu guter Letzt:

  • Was soll uns dieser Volkstrauertag denn überhaupt bringen?

So oder so ähnliche Fragen kämen wahrscheinlich auch von einigen meiner Schüler, wenn ich sie mit diesem Thema konfrontieren würde; und genau hier liegt das Problem.

Bei mir war es definitiv so, dass ich es vor lauter, sogenannter Alltagsprobleme, nicht mehr richtig auf dem Schirm hatte, warum Geschichte und Gedenken an Vergangenem eben so immens wichtig für das Leben im Heute und Morgen sind. Warum es so unendlich notwendig ist, zu hinterfragen, wie meine Lebenswelt und die anderer entstanden ist. Dass wir vor allem aus den Fehlern die bewusst oder unbewusst, gemacht worden sind, lernen und uns weiterentwickeln müssen.

Ich bin in einer Welt groß geworden, in der es zwar den „kalten Krieg“ noch gab, der aber Gottseidank nie wirklich eskalierte. Wir wurden in einem Land ohne Angst vor Verfolgung, körperlichen Leids oder Hunger groß. Meine Kinder und die noch Jüngeren sind die Generationen, die in einem so friedlichen und freien Deutschland aufwachsen, wie es dieses wahrscheinlich noch niemals zuvor gegeben hat.

Einen anderen Zustand als der, den wir momentan erleben, trotz der schlimmen Corona-Pandemie, können und wollen wir uns nicht vorstellen.

Aber, wie sieht es denn sonst so in der Welt aus? Dieser „Normalzustand“ des Friedens, der Freiheit, der Sicherheit und des Wohlstandes sind wertvolle Güter und eben nicht so normal wie wir so oft annehmen.  Lenken wir den Blick hinaus aus Deutschland, dann bietet sich uns leider kein Bild eines friedlichen, versöhnlichen 21. Jahrhunderts. Ganz im Gegenteil – vielerorts brennt die Welt!!

  • Etwa in der Ostukraine, wo in letzter Zeit immer wieder Verstöße gegen den Waffenstillstand gemeldet werden. Unter anderem wurde die Region Luhansk das erste Mal seit fünf Jahren wieder beschossen. Der örtliche Verwaltungschef erklärte dazu:“ Zynisch ist, dass der Beschuss genau um 7:30 Uhr und 7:40 Uhr stattfand, also zu einem Zeitpunkt, an dem die Kinder zur Schule gehen!“.
  • In Belarus herrscht ein brutaler „Despot“, der vor nahezu nichts zurückschreckt um seine Macht zu erhalten, Flüchtlinge als Druckmittel einsetzt und Oppositionelle verfolgt, einsperrt und, darauf deutet zumindest vieles hin, auch töten lässt.

Dies sind nur zwei traurige Beispiele dafür, wie oft Gewalt, Unterdrückung und Krieg in vielen Ländern immer noch auf der Tagesordnung sind.

Mit solchen Bildern im Kopf und noch vielen ähnlichen Nachrichtenmeldungen aus den internationalen Krisengebieten und Schurkenstaaten, stehen wir also hier und gedenken allen Opfern von Krieg, Vertreibung, Gewalt und Unterdrückung.

Und hier spreche ich von tatsächlicher Unterdrückung, nicht solche, die von den „verquerdenkenden Schwurblern“ und Realitätsverweigerern heraufbeschworene und gebetsmühlenartig immer wieder angeführte Unterdrückung in der sogenannten „Corona-Diktatur“.

Für uns, die nie solche Untaten und Grausamkeiten erleben mussten, ist es eine fundamentale Pflicht, sich daran zu erinnern, dass unser Leben in Frieden und Freiheit ein Privileg ist, welches es zu bewahren und zu schützen gilt. Das Streben nach einem sozialen, friedlichen und respektvollen Mit- und Füreinander muss höchstes Menschenrecht sein. Es sollte für jeden von uns oberste Direktive haben und das Erreichen dieses Zustandes die Maxime unseres Handelns sein.

Und hier schließt sich nun der bzw. mein Kreis:

Das Erinnern an vergangene Zeiten, in denen diese moralischen Werte und Ziele eben noch nicht als normal angesehen, sondern im Gegenteil, mit den Füssen getreten wurden, muss gepflegt und aufrecht erhalten werden! Auch für zukünftige Generationen muss die Erinnerung über die Grausamkeiten und schrecklichen Gewalttaten der zwei Weltkriege ein mahnendes Beispiel dafür sein, das Unrecht, Pogrome und Repressionen nicht akzeptiert werden dürfen

Sie sollte uns Ansporn dafür dienen, dass sich solche Taten nie mehr wiederholen dürfen. Aus diesem Bewusstsein heraus, müssen wir uns alle mit vollem Engagement dafür einsetzen, dass die Idee von Demokratie, Freiheit, Liebe, Menschlichkeit und Menschenwürde weltweit Anerkennung findet und Unterdrückung, Folter, Hass und Verfolgung in der Gesellschaft keine Zukunft haben darf.

Dies ist mir bewusst geworden und genau das ist der Grund, warum der heutige Tag, der Volkstrauertag, gerade in der momentanen Zeit so wichtig ist und auch bleiben muss!
Vielen Dank!

Ich möchte mich ganz herzlich bei beiden Pfarrern, den Mitarbeitern der Kirchen, der Blaskapelle Schwürbitz, dem Männergesangsverein Cäcilia und allen Helfern bedanken. //Mein besonderer Dank gilt aber auch Ihnen, den Schwürbitzer Bürgern und Bürgerinnen. Sie haben durch ihre Anwesenheit gezeigt, dass Sie sich dem Gedanken dieser Veranstaltung gegenüber solidarisch zeigen und dieser dadurch einen entsprechend würdigen Rahmen gegeben haben. Vielen Dank hierfür! //Ich wünsche Ihnen noch einen ruhigen Sonntag!

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